CAMBI UND FILIPEPI
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Weniger bekannt ist sein Gesinnungsgenosse Johann Cambi(1458—1535), wie Nardi und Landucci feuriger Piagnone 37 . Mitbitteren Worten beklagt er die ärgerniserregende Verweltlichungder Kirche, aufs heißeste ersehnt er mit Unzähligen ihre Reformund ist tief unglücklich, daß der einzige Mann, der sie herbei-führen zu können und zu wollen schien, so schmählich endenmußte. Wie Parenti und wie Landucci zeichnet er die Ereignissegleichzeitig unter dem frischen Eindrucke ihrer Wirkung auf dieGemüter auf, steht also an Glaubwürdigkeit hinter Landucci nichtzurück 58 , wenn er sich mit ihm auch an Reichhaltigkeit der Mit-teilungen nicht messen kann.
Seit kurzem erst Jahrhunderte langer Vergessenheit entrissensind die lehrreichen Aufzeichnungen, die uns Simon Filipepi, wieerinnerlich der Bruder des großen Meisters Sandro Botticelli,hinterließ. Nachdem er längere Zeit im Dienste eines der größtenflorentinischen Handelshäuser zu Neapel gestanden, kehrte er inseine Vaterstadt zurück, um sich sofort dem unwiderstehlichenZauber hinzugeben, den der Prophet auf fromme Gemüter aus-übte. In unerschütterlicher Treue hielt er auch in den schwerstenTagen an ihm fest. Er erkundigte sich nach ihm beim Kerker-meister, er ließ sich von Schiatta Ridolfi berichten, wie oft er ge-foltert worden sei. Durch die Wut der Gegner sah auch er sichgezwungen, für einige Zeit in Bologna Zuflucht zu suchen, waraber im April 1503 bereits wieder in Florenz. Obschon es selbstdamals noch eine gefährliche Sache war, sich auch nur in häus-lichen, für den eigenen Gebrauch bestimmten Aufzeichnungen zu-gunsten des Frate zu äußern, so „wagte er sich doch auf dasstürmische Meer hinaus" und griff zur Feder, um das Andenkendes betrauerten Meisters gegen alle Verunglimpfungen in Schutzzu nehmen. Hatte er in seiner Chronik neben ihm auch denwichtigsten kirchenpolitischen Ereignissen und Persönlichkeitenseine Aufmerksamkeit zugewendet, so dem Papste Alexander VI.und seinem Sohne Cesare, diesem „neuen Kain, der seinen eigenenBruder in den Tiber werfen ließ", sodann „der Haupttochter desPapstes" Lukrezia und ihren verschiedenen Gatten, endlich demAugustiner Marian von Gennazano, der dem Papste in SachenLukrezias als Unterhändler diente, so beschäftigte er sich mit demFrate auch noch in einer besonderen Schrift 89 , worin er sich überdie entscheidenden Ereignisse seiner Geschichte näher verbreitete.
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