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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE WUNDER

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gläubigkeit und des Aberglaubens stand 3 '. Ebenso galt Bartholo-mäus von Faenza, den nicht nur Pico hochschätzte 34 , sondernauch Cerretani als einen Ordensmann von großer Gelehrsamkeitund Frömmigkeit pries 33 , als ein zwar ehrlicher, aber doch etwasvertrauensseliger und gutmütiger Mann 36 . Immerhin gingen dieWunderberichte nicht erst von Pico oder Bartholomäus aus. DerVenetianer Marino Sanudo wußte schon wenige Wochen nach derHinrichtung von Wundern zu melden 37 , die auf Anrufung Savona-rolas gewirkt worden seien, und wenn er auch selbst nicht daranglaubte, so meinte er seinen Lesern doch hiervon Kunde geben zumüssen. Zu Ferrara lief schon am 1. Juni, also kaum 8 Tagenach dem Hinscheiden des Frate, die Nachricht ein,' ein Blinderhabe durch Einreibung seiner Augen mit der Asche der hingerich-teten Mönche das Licht wieder erlangt, und eine Nonne zu Viterbohabe die Seelen der drei Brüder von Engeln ins Paradies tragensehen 38 . Selbst Hugolin Vieri, der, wie wir uns erinnern, nachdem Sturze des Frate eine hämische Schmähschrift gegen diesengerichtet hatte, teilte eine Erscheinung Savonarolas mit, die demKamaldulenser Hieron}'mus de Novatiis zuteil geworden sei 39 .

Und schon vernahm man auch von Wundern, die der Frate be-reits bei seinen Lebzeiten gewirkt haben sollte 40 . Er selbst hattesich zwar stets in einer Weise ausgesprochen, die deutlich erken-nen ließ, daß er sich besonderer Wunderkraft nicht bewußt sei.Immer wieder hatte er die Wundersucht der Leute getadelt,immer wieder darauf hingewiesen, daß nicht das Wunder denGlauben erzeuge, sondern ein frommes Leben, immer wiederhatte er seinen Hörern auseinandergesetzt, daß er auch ohneWunder Glaubwürdigkeit beanspruchen könne 41 . Höhnisch hatteihm einer seiner Gegner 42 vorgehalten, daß verschiedene seinerGetreuen, denen er in ihrer Krankheit Genesung durch sein Gebetoder durch Übersendung eines Kleidungsstückes verheißen habe,wie Karl Strozzi, Cosmas Rucellai, Johannes Pico von Mirandolaund Peter Vettori, in kürzester Frist gestorben seien, so daß eskein besseres Mittel gebe, jemanden aus dem Leben zu schaffen,als ihm einen Mantel von ihm zu schicken, der die Kraft des sejani-schen Pferdes und des Toulouser Goldes besitze, die ihrem In-haber sicheren Tod bereiteten. Als sich dann aber nach seinemHinscheiden die Kunde von den durch seine Fürbitte geschehenenWundern verbreitete, mußte er der Versicherung seiner Anhänger