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DIE VERFOLGUNG DES TOTEN
aus ihnen wirklich oder scheinbar ergebenden Folgerungen viel-fach erst künstlich zu schaffen und Widersprüche zwischen ver-schiedenen Stellen aufzudecken 125 , beobachtete er nunmehr auchgegen den Frate, den er soeben (1542) noch als seinen Gewährs-mann gegen Cajetan angeführt hatte. Neue Tatsachen vermochteer nicht vorzulegen. Die Einsicht in die falschen Prozeßakten, die,für bare Münze genommen, schon gleich bei ihrer Veröffentlichungeine so niederschmetternde Wirkung geübt hatten, das Beispielverschiedener vom Frate abgefallener Ordensgenossen sowie dieaugenscheinliche Nichterfüllung mancher Voraussagungen hatteneine völlige Wandlung seines Urteils veranlaßt. Als Ketzerriecherberüchtigt und stets bemüht, den Gegner, sogar einen Mann wieKardinal Cajetan, als verkappten Lutheraner anzuschwärzen,ging Catharinus, der von Bartholomäus Spina des Irrtums innicht weniger als 50 Lehrpunkten geziehen und von DominikusSoto als Theologe überhaupt nicht mehr ernst genommen wurde 126 ,hauptsächlich darauf aus, den Frate des Lutheranismus zu über-führen und seine Lehre als „dünkelhaft, vermessen und fürwitzig;irrig, eitel und lügenhaft; unbeständig und widerspruchsvoll;verschlagen, schmeichlerisch und spitzfindig; verwegen, vorschnellund schimpflich; widerspenstig und frech; zänkisch und auf-rührerisch; unbarmherzig und grausam; endlich für alle von derLeidenschaft nicht ganz Verblendeten widerlegt, verdammt undentlarvt" hinzustellen. Politi schoß jedoch mit seinen spitzenPfeilen allzuweit über das Ziel hinaus, als daß er auf unbefangeneLeser den erhofften Eindruck hätte hervorbringen können 127 . Somachte er den Piagnonen die Erwiderung leicht. Der erste, dergegen ihn in die Schranken trat, war Benedikt Bettuccio vonFlorenz. Mit jugendlichem Feuer griff er, nunmehr ein 80jährigerGreis, zur Feder, um seinen heißgeliebten Meister, den „großenHerold Christi", wie er ihn nannte, gegen den neuen Goliath inSchutz zu nehmen. Im Jahre 1550 begab er sich nach Born undlegte seine Verteidigungsschrift dem Meister des heiligen Palastes,Ägyd Foscarini vor, der an ihr nichts auszusetzen hatte. Sodannsandte er sie mit einem Briefe vom 15. Juni 1550 an Politi selbstund legte sie Ende des folgenden Jahres auch den Vätern desTrienter Konzils vor, da es sich um eine Angelegenheit von höchsterWichtigkeit für die Kirche handle 128 . Die beste und eingehendsteWiderlegung Politis lieferte aber der Dominikaner Thomas Neri