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DIE VERFOLGUNG DES TOTEN
1499 verbot er aufs strengste 46 , fernerhin von den Prophetien desFrate irgendwie, sei es im lobenden, sei es im tadelnden Sinne zusprechen oder zu predigen, die Parteinamen Piagnonen undCompagnacci zu gebrauchen, Umzüge und Reigen zu veranstalten,den Psalm ,,Ecce quam bonum" anzustimmen und in Vorlesungenoder Schrifterklärungen von Prophetien oder Gesichten zu han-deln; überdies verordnete er, ihm die Verteidigungsschriften, be-sonders aber alle Reliquien des Frate unverzüglich auszuliefern —Verfügungen, die vom Ordensmeister vollinhaltlich bestätigt wur-den 47 . Da es sich die Piagnonen gleichwohl nicht nehmen ließen,den Jahrestag der Hinrichtung zu feiern, und das Schweigeverbotbeharrlich übertraten, so bedrohte der Prokurator seine Ver-letzung mit noch strengerer Strafe 48 . Mit der Amtsführung Jakobsvon Sizilien, der sich immer offener als feuriger Parteigänger desFrate entpuppte, nicht zufrieden, traf er die nötige Fürsorge, daßdieser nach Ablauf seiner Amtszeit nicht mehr gewählt und stattseiner Malatesta Sacramoro, der Judas S. Marcos 40 , mit der Kon-gregationsleitung betraut wurde. Seit dem Falle des Frate hattesich Malatesta als sein erbitterter Widersacher gebärdet und seineLehre in verschiedenen Schriften bekämpft; der Schaden, welchener hierdurch anrichtete, war um so größer, je größer das Ansehenwar, in welchem er ob seiner Gelehrsamkeit stand 50 . Mit der Be-fugnis ausgestattet 51 , die Erlasse des Generals nach Ermesseneinzuschränken oder zu erweitern, war er nicht so fast auf Ab-schaffung der den Piagnonen eigenen Bräuche als vielmehr aufMilderung der vom Frate eingeführten strengen Ordenszucht be-dacht, in der richtigen Erkenntnis, daß letztere eine Preisgabe derersteren von selbst nach sich ziehen müsse. Unter dem Vorwande,es fehle im Verbände an geeigneten Lehr- und Verwaltungskräf-ten, ward die Wiedervereinigung mit den Lombarden betrieben(1502) und in allen Klöstern eine geheime schriftliche Abstim-mung hierüber anberaumt — ein Bemühen, das den krampfhaftenAnstrengungen der Lombarden, das ihnen durch den Ferraresengeraubte Kleinod zurückzugewinnen 52 , auf vollem Wege entgegen-kam. Es waren namentlich ältere Brüder, Männer wie RobertUbaldini und seine Genossen, die sich mit der Trennung von denLombarden nie recht zu befreunden und ebensowenig von der ent-setzlichen Enttäuschung des 19. April zu erholen vermocht hatten,bei welchen derlei Bestrebungen vollen Anklang fanden. Dagegen