Druckschrift 
2 (1924) Das Streben
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

HBBMH

SPALTUNG DER TUSZISCHEN KONGREGATION

855

Nicht weniger entschlossen als die staatlichen nahmen diekirchlichen bzw. die Ordensbehörden die Verfolgung des Totenund seines Werkes auf. Noch am Tage der Hinrichtung hatte derOrdensmeister, wie wir sahen, die Eingliederung des VerbandesS. Marco in die tuszische Kongregation vollzogen. Sofort zeigte essich aber, daß sie sich so, wie sie gemeint war, als Vermengungder Insassen des einen Klosters mit den Angehörigen beliebigeranderer, jetzt so wenig wie bei Lebzeiten des Frate durchführenließ. Die von ihm her an eine stramme Ordenszucht gewohntenBrüder wollten von einem Zusammenleben mit den entartetenTusziern nun einmal nichts wissen, und da sie diesen an Zahl weitüberlegen waren, so setzten sie es bei dem Generalvikar Jakobvon Sizilien durch, daß sie von den schon erwähnten elf Klöstern,aus welchen die neue Kongregation bestand, sechs zum aus-schließlichen Gebrauche in der Weise erhielten, daß sie hier nurvon Oberen ihrer eigenen Wahl geleitet und weder selbst in Klö-ster der Tuszier versetzt, noch mit Brüdern aus solchen, außerganz besonders frommen und würdigen, beschwert werden durf-ten". Dank solcher Scheidung waren nun zwar die Söhne S. Mar-cos unter sich, Friede und Eintracht kehrte jedoch in ihren Beihengleichwohl nicht ein. Der seit der Trennung des Jahres 1493 imstillen immer gärende Hader zwischen der streng observantisti-schen und lombardischen Richtung dauerte ungeschwächt fortund nahm an Schärfe und Bitterkeit im Gegenteil noch zu. Inder Verschiedenheit der Stellung, welche die Brüder zum verstor-benen Urheber ihrer Beform einnahmen, kam dieser Gegensatzwieder und wieder zum offenen Ausdrucke. Wie bei seinen Leb-zeiten veranstalteten seine Getreuen fromme Aufzüge und Reigen,stimmten seinen LieblingsspruchEcce quam bonum" an, be-kannten sich auf der Kanzel wie im persönlichen Verkehre mitKlostergenossen und Laien zu seinen Prophetien und Gesichten,erlebten solche auch selbst und hielten an den Besonderheiten sei-ner Lebensweise und Tracht zähe fest, während die andern geradein der Preisgabe all dieser Eigenarten ihre Annäherung an dieLombarden bekundeten. Voll Unwille gewahrte Franz Mei, als erwenige Monate nach dem Sturze seines verhaßten Gegners anläß-lich einer Dienstreise nach Venedig in S. Marco einkehrte, dieseVerhältnisse. In einem Bundschreiben an den Generalvikar, dieOberen und sämtlichen Brüder der Kongregation vom 3. Februar