ZÜGELLOSIGKEIT DER COMPAGNACCI
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Allenthalben wurde unter gotteslästerlichen Flüchen wieder ge-spielt 5 . Immer hatte es früher geheißen, man sei auf die Predigtdes Frate nicht angewiesen, es gebe auch außer ihm eifrige Kanzel-redner, die zur rechten Zeit nach dem Rechten schauten. Wo warensie denn nun, die großen Prediger von Heiligkreuz und von Heilig-geist? Selbst wenn sie sich hören ließen, gab man nichts auf ihreWorte. Als einst während der Fastenzeit ein Franziskaner imDome predigte, begannen fünfzehn Burschen zu johlen und zutanzen, so daß der Prediger die Kanzel verlassen mußte 6 . In derChristnacht machten sich junge Leute, mehr Teufel als Menschen 7 ,das Vergnügen, einen alten Gaul in den Dom zu treiben, hierherumzujagen, ihm einen Pfahl in den After zu bohren, ihn mitKnüppeln zu Tode zu prügeln und die Kirche mit seinem Blutezu besudeln. Ein anderes Mal hängten sie an der Kirchentüre vonS. Marco an einem Stricke einen Esel auf, der schon mehrere Tageverendet war und einen unerträglichen Gestank verbreitete 8 . Manmachte sich den Spaß, Tinte in die Weihwasserbecken des Domeszu schütten, die Kanzel in der unflätigsten Weise zu beschmutzenoder Schwefel in der Kirche anzuzünden. Es hieß sogar, der Ma-donna von S. Marco sei die Krone gestohlen und dann in einemFreudenhause einer Dirne aufgesetzt worden 8 . Dann wieder suchteman sich einen Haufen von Wollwäschern und Färbern aus, denAbschaum der Stadt, verkleidete sie als Mädchen und einen vonihnen als Madonna. So zog man von einem Bordell ins andere,zuletzt aber auf den Platz von S. Marco, wo man die schmutzig-sten Lieder sang. Hierfür bekamen sie von den Gegnern des Frateeinige Dukaten, die sie in einem Bordell zusammen verjubelten 10 .Ganz besonders hoch ging es natürlich während der Fastnachtzeither; galt es ja doch, sich für die Jahre der Entbehrung unter demFrate zu entschädigen. So feierte man im Gegensatze zum KarnevalGottes einen Karneval des Teufels, heftiger denn je zuvor ent-brannten die alten Straßenkämpfe mit Steinen und Waffen 11 . DieCompagnacci veranstalteten Festgelage von ausgesuchter Üppig-keit, sahen sich aber durch Alfons Strozzi in den Schatten gestellt,der bei solcher Gelegenheit das Urteil des Paris über die drei Göt-tinnen aufführen ließ 12 . Das Andenken des Frate wurde bei jedemAnlasse aufs schmachvollste in den Kot gezogen. Auf allen Plätzen,in allen Straßen konnte man Spottlieder und Schmähgesänge aufden Frate hören, liederliche Väter und Mütter sangen sie ihren