DIE KIRCHENMUSIK
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erst in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts in der Kirche zuge-lassen, in der sixtinischen Kapelle zu Rom ist sie noch heute ver-pönt 173 . Wie die Orgeln, so vermochten sich die mehrstimmigenGesänge, die Canti figurati, beim Gottesdienste nur gegen den ent-schiedenen Widerspruch eifriger Kirchenmänner durchzusetzen.So hatte sie der selige Bernhard von Feltre, da sie mit ihren ver-führerischen Weisen mehr die Wollust als die Andacht beförder-ten, aufs strengste gerügt 174 ; der heilige Johann von Kapistranwünschte, seine Ordensbrüder möchten dem Gesänge nur soweitobliegen, wie es der Gottesdienst heische, denn es sei besser, sielernten beten und weinen und das Leiden Christi betrachten 176 . Inihren Bahnen wandelte Savonarola. Mit tiefer Betrübnis gewahrteer, daß die Musik im Wettbewerbe mit den anderen Künsten denSinn der Gläubigen vom Göttlichen ablenke, zerstreue und ver-weichliche 176 . „Laßt diese Canti figurati", rief er daher den Gläu-bigen zu 177 , „und pflegt den Choral, den Canto fermo, wie er vonder Kirche verordnet ist! Ihr verlangt immer nach Orgelspiel undgeht nur in die Kirche, um orgeln zu hören. Gott aber spricht:,Ich will eure Orgeln nicht'. Besonders in den Klöstern hört mannichts als Canti figurati. „Da heißt es nur immer: sing, sing, sing,— aber von Geist spürt man nichts. Ebenso hört man in den Kir-chen der Nonnen immer nur orgeln, orgeln, orgeln, von Erbau-ung ist keine Rede 178 ." Diese Canti figurati in der Kirche schadenmehr als sie nützen. Denn im Hause Gottes soll man betrachtenund beten, während jene Gesänge nur den Sinnen schmeicheln,weshalb denn auch der heilige Athanasius nur die gewöhnlichenKirchengesänge beim Gottesdienste zuließ. Daher sollte man diesemehrstimmigen Gesänge, die voller Lüsternheit und beim Teufelbeliebt sind, aus der Kirche verbannen und nur den Choral zu-lassen 179 . Gleichwohl wußte der Frate, in seiner Jugend, wie wirsahen, selbst eifriger Lautenspieler, die erbauliche Wirkung derMusik sehr wohl zu schätzen. Wieder war es die Jugend, aufwelche er bei der Reform seine Hoffnung setzte. Er hielt sie an,im Dome vor der Predigt die altehrwürdigen Hymnen, wie das„Ave maris Stella" oder das „Veni creator spiritus", zu singen 180 ;wenn dann die jungen Leute mit ihren glockenhellen Engelsstim-men das Lob Gottes ertönen ließen, dann füllten sich die Augender Erwachsenen mit heißen Tränen der Rührung und Freude 181 ,und der Sinn für ernste Musik schlug frische Wurzeln 182 . Der
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