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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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MICHELANGELO BUONARROTI

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heime Offenbarung, über den ersten Johannisbrief, über den PsalmQuam bonus und über die Arche Noes hielt. Wie Pico von Miran-dola wird er, von Entsetzen geschüttelt, das Gefühl gehabt haben,die Haare stünden ihm zu Berge, als er am 21. September 1494die erschütternde Predigt über die Worte: „Ecce ego adducamaquas" (Gen. 6, 17), von der alles verschlingenden Sündflut ver-nahm 111 . Erst recht geängstigt durch den Traum eines Freundesund durch die von allen Seiten einstürmende Nachricht vom un-aufhaltsamen Anmärsche des französischen Königs vollends ausder Fassung gebracht, floh er im Oktober 1494 nach Venedig,kehrte zwar bald wieder um, hielt sich nun aber unterwegsmehrere Monate lang in Bologna auf 112 . Im Frühjahre 1495 trafer wieder bei den Seinigen ein, zu einer Zeit, als die Kämpfe derGroßen gegen die vom Frate empfohlene Volksherrschaft aufs hef-tigste tobten. Er hatte nunmehr Gelegenheit, den Predigten überdie Psalmen, über Job und Arnos anzuwohnen, eben jenen, inwelchen das Leiden Christi, die prophetische Größe und helden-mütige Standhaftigkeit Mariens sowie das eigenartige Wesen derSchönheit und Kunst nachdrücklich zur Sprache kam. An dengroßen Prozessionen, welche am letzten Tage des Faschings wieam Palmsonntage 1496 stattfanden und bei welchen seine Alters-genossen eine so hervorragende Rolle spielten, nahm er wohl auchselbst teil; dagegen hatte er mit den Verbrennungen der Eitelkeitenvom Jahre 1497 und 1498 nichts zu tun, da er schon seit Juni 1496in Rom weilte. Daß er den Prediger auch hier nicht aus den Augenverlor, lehrt sein obenerwähntes Schreiben an seinen BruderBuonarroto vom 10. März 1498. Von der Hiobspost seiner Ein-kerkerung und Hinrichtung wurde er in Carrara, wohin er sichzur Auslese eines Marmorblocks für die Pietä begeben hatte, er-eilt und sicher mächtig erschüttert. Er hatte in der ewigen Stadtreichste Gelegenheit, das schmachvolle Treiben der Borjas undihrer Leute aus nächster Nähe zu beobachten und sich von dervollen Berechtigung der Strafreden des Propheten zu überzeugen.Bis in sein höchstes Greisenalter hörte er, wie er selbst sagte 113 ,die Stimme des Frate wie ferne rollenden Donner in seinen Ohrenhallen; und wie er besondere Verehrung für Dante hegte, dessenWerke er fast auswendig wußte, so las er, wiederum seiner eigenenVersicherung gemäß 114 , „mit ebenso großem Eifer wie Aufmerk-samkeit die Heiligen Schriften des Alten und Neuen Bundes sowie