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STELLUNG ZUR KUNST UND DEN KÜNSTLERN
habener Seelengröße ihr schweres Leid trug. Auch vom Frate undden Frateschen selbst wurde Perugino als Künstler ihrer Richtunggeschätzt; ward er doch 1493 mit der Ausführung eines Bildes derMadonna mit dem Täufer und dem heiligen Sebastian für S. Do-minikus in Fiesole betraut — ein Auftrag, der ihm sonst schwer-lich zuteil geworden wäre. Die Jahre, in welchen der Predigerseine höchsten Triumphe feierte, bezeichneten die Glanzzeit derkünstlerischen Wirksamkeit Peruginos; 1496 hatte er den Gipfelseiner Meisterschaft erklommen 81 . Durch seinen weit ausgebrei-teten Ruhm ließ er sich mehr und mehr zu handwerksmäßigerSchablonenarbeit verleiten; es wird sogar versichert, schon in sei-nen Blütenjahren habe er nicht aus innerem künstlerischen An-triebe, sondern rein gewerbsmäßig geschaffen, da er ein ganz un-glaublicher Mensch gewesen sei, der dem Gedanken an die Un-sterblichkeit nie Eintritt in seinen granitharten Schädel gewährtund auf dem Sterbelager den Empfang der Sakramente verweigerthabe 82 . Es ward die Vermutung geäußert, Peruginos Unglaube seidie Wirkung des religiösen Zusammenbruches gewesen, den erangesichts des schmählichen Unterganges eines heiligmäßigenMannes wie Savonarola und des Triumphes eines Scheusals wieAlexander VI. erlitten habe 83 . Doch spricht für diese Annahme kei-nerlei Anhaltspunkt, wie überhaupt die ganze Nachricht von sei-nem angeblichen hartnäckigen Unglauben und unbußfertigenTode schweren Bedenken unterliegt. Ihr widersprechen vor allemschon seine Werke, die dann ein vollständiges psychologischesRätsel wären 84 . Wahrscheinlich liegt ihr lediglich die Tatsache zu-grunde, daß der Künstler, in Fontignano bei Perugia beschäftigt,von der eben heftig wütenden Pest hinweggerafft wurde, ohne diekirchlichen Tröstungen empfangen zu haben. Da er sie nichtempfangen hatte, so entstand nachher das Gerede, er habe sienicht empfangen wollen, ein Gerücht, das in dem Umstände eineStütze zu haben schien, daß er nicht in geweihter Erde, sondernauf freiem Felde bestattet worden war. Der kirchlichen Segnungenermangelten nun aber damals auch andere Pestopfer; kaum warjedoch die Krankheit erloschen, als sich die Augustiner von Peru-gia den Söhnen des Meisters vertraglich verpflichteten, seinenLeichnam in ihrer Kirche beizusetzen und die üblichen Gebete fürdie Ruhe seiner Seele zu verrichten — Zusicherungen, die sichmit der erwähnten Nachricht nicht leicht vereinbaren lassen 85 .