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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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öl.

STELLUNG ZUR KUNST UND DEN KÜNSTLERN

hafte, so stellte der Frate die Madonna der künstlerischen Be-trachtung auch im leuchtenden Glänze ihrer strahlenden Schön-heit wie im milden Schimmer ihrer Demut und Bescheidenheitvor; er pries sie als die Mutter der schönen Liebe, als die Königinvon Florenz". Er flehte zu ihr als der gnadenvollen, barmher-zigen, süßen Mutter, die er mit dem traulichen KosenamenMam-ma mia" begrüßte; er hielt die Gläubigen und auch die Kinderan, sich ihrerSanta Mamma Regina" zu empfehlen 45 . So ver-schmolz im Bilde Mariens, wie er es seinen Zuhörern malte, dieherbe Strenge der majestätischen Himmelskönigin und Gottes-mutter mit der holdseligen Lieblichkeit der trauten, immernahen, immer gütigen, immer huldvollen Freundin und Trösterin,und nahm jene zauberhafte Milde und Weichheit, Zartheit undInnigkeit an, die uns in den unter seinem Einflüsse entstandenenMadonnenbildern so sehr entzückt.

Daß ein Prediger, der eine so hohe Meinung von der Kunsthegte und in so warmen Worten von ihren Jüngern sprach, imtäglichen Leben kein Bilderstürmer sein konnte, liegt auf derHand. Wir erinnern uns, daß er die Nonnen des von CamillaRucellai begründeten Klosters der heiligen Katharina von Sienazur Pflege der Malerei und Miniaturkunst anhielt; ebenso war,wie wir ebenfalls bereits sahen, in dem von ihm geplanten Muster-kloster für die Laienbrüder neben mancherlei nützlichen Gewerbendie Ausübung der Bildhauerei und Malerei vorgesehen. Zwar stem-pelte man ihn mit Rücksicht auf die denVerbrennungen derEitelkeiten" zum Opfer gefallenen Kunstwerke vielfach zumKunstbarbaren; man beschuldigte ihn sogar, die Gemälde FraAngelicos zerstört zu haben 46 . Tatsächlich gingen jedoch bei die-sen Verbrennungen wirkliche Kunstwerke, wie wir schon sahen,nicht zugrunde, und gerade von einem Maler, der sich an derAuslieferung nackter Studien am eifrigsten beteiligte, Bartolomeodella Porta, sind uns noch Entwürfe aus seiner Frühzeit erhal-ten. Übrigens blieb es den Künstlern anheimgestellt, unter ihrenArbeiten das auszuwählen, was sie der Flammen für würdig hiel-ten; manche formten ihre Sachen zu Heiligenbildern um 47 . Gewißist, daß sie ihm weder seine Rüge unanständiger Bilder nochseine Verbrennungen ernstlich verübelten; im Gegenteil gab eskeine Bevölkerungsschicht, die ihm mit so heller Begeisterungzugetan war wie eben sie. Nicht nur lauschten sie begierig