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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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ANREGUNGEN FÜR DIE KÜNSTLER

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vorsichtig in seinen Reden, ernst, friedfertig, nüchtern, wederDieb noch Mörder, und vor allem der Reinheit der Seele unddes Leibes beflissen. Wer es nicht über sich gewinnen kann, ledigzu bleiben, verheirate sich nach dem Gesetze. Es ziemt sich,daß die Maler oft ihre geistlichen Väter besuchen, sie in allenDingen zu Rate ziehen und nach ihren Weisungen und Lehrenin Fasten, Gebet und Enthaltsamkeit leben". In der Auswahlseiner Gegenstände wie in der Art und Weise ihrer Behandlungverrät der Künstler sein innerstes Herz.Jeder Maler malt sichselbst. Er malt sich nicht als Mensch, denn er fertigt Bildervon Löwen, Pferden, Männern und Frauen an, die nicht er selbstsind. Aber er malt sich als Maler, d. h. nach seinen Ideen. Undobschon die Maler verschiedene Entwürfe und Bilder ausführen,so tragen diese doch alle den Stempel ihres Geistes 32 . Was aberdie Hauptsache ist: male die Tugend nicht bloß, sondern übe undlebe sie 33 ."

Auf diese allgemeinen Andeutungen beschränkte sich der Fratein seinen Anweisungen für die Künstler. Mit der Technik ihrerKunst beschäftigte er sich nicht; die Fragen der Farbengebung,Gruppierung und Anordnung, des Faltenwurfes, der landschaft-lichen oder architektonischen Umgebung und sonstige Einzelheiten, Stil- und Schuleigenarten überließ er völlig ihrem Er-messen. Er mutete ihnen keineswegs zu, nur religiöse Werke zuliefern; er erwartete von ihnen nur, daß sie religiöse Dinge, wennsie solche darstellten, mit der gebührenden ernsten Rücksicht undWürde behandelten. Er weckte und schärfte, erwärmte und ver-tiefte ihr religiöses Gewissen und Leben und gab ihnen manchewertvollen religiösen Anregungen und Winke. Vor allem dachteer an die Nutzbarmachung der Kunst zum Heile der ihm so sehram Herzen liegenden Jugend.Erziehe deine Kinder", mahnte erdie Eltern 34 ,in Einfalt! Stelle ihnen die Dinge Gottes vor Augenund lehre sie, daran Gefallen zu finden! Laß dir ein Gemäldeanfertigen mit der Darstellung der Hölle und sprich zu ihnen:,Siehe, mein Kind, das sind die Kinder, die verdammt wurden,weil sie ihren Eltern ungehorsam waren und Brot oder Käseoder getrocknete Trauben entwendet haben.' Und so erziehe siein Einfalt und Furcht vor Gott und der Hölle, solange sie nochklein sind! Auf der anderen Seite zeige ihnen das Paradies undsprich zu ihnen: ,Da weilen sie nun inmitten der Engel, die

52 Schnitzer, Savonarola