7 g6 STELLUNG ZU HUMANISMUS UND WISSENSCHAFT
den Augenschein zu überzeugen. Von den beiden Bibeln, die ihmin späterer Zeit zum Gebrauche dienten, war die eine 1491 zuBasel, die andere 1492 zu Venedig gedruckt; beide, in florentini-schen Bibliotheken noch erhalten, sind mit Einträgen in derkleinen, zierlichen und doch festen, gedrängten Schrift seinerHand Seite für Seite über und über beschrieben 180 . Bei seinemTode hinterließ er drei mit eigenhändigen Anmerkungen ver-sehene Bibeln, einen Auszug aus der Heiligen Schrift, ferner Er-klärungen bzw. Predigten über die Propheten Isaias, Jeremias,Aggäus, Micheas, Oseas, Nahum, Arnos, Zacharias, Abdias undHabakuk, über verschiedene Psalmen, das Hohelied, Matthäus unddie Apokalypse 181 . Und wie hätte er sich nicht mit tiefster Inbrunstin die heiligen Bücher versenken sollen, in denen er die Stimmedes himmlischen Vaters, das Wort des Heiligen Geistes vernahm!Denn daß die Heilige Schrift nicht bloß im ganzen und großen,sondern bis auf jedes Wort und jede Silbe das Werk Gottes sei,das war ihm stets über jeden Zweifel erhaben. Darum darf ihmzufolge auch nicht ein Jota bestritten oder geleugnet werden 182 ,selbst die geringfügigste Kleinigkeit hat tiefen Sinn 183 . Daß dieSchrift Gottes Werk ist, ergibt sich ihm schon daraus, daß sichAlter und Neuer Bund wie Weissagung und Erfüllung zueinanderverhalten — eine Erscheinung, die nur durch unmittelbare gött-liche Veranstaltung erklärlich ist 184 . Zur Aufzeichnung seinerOffenbarungen bediente sich Gott heiliger Männer, die lediglich
die Federn oder Werkzeuge in seiner Hand waren 1
Darum soll
man sich denn über so gleichgültige Dinge, wie es die Frage nachdem Verfasser dieses oder jenes biblischen Buches ist, den Kopfnicht zerbrechen. Wenn du eine schöne Handschrift siehst, sofragst du ja doch auch nicht nach der Feder, mit der sie ge-schrieben ward, sondern nach dem Schreiber 188 . Schriften, dieGott selbst zum Verfasser haben, sind aber selbstverständlich überjeden Irrtum erhaben und der Ausdruck lauterster Wahrheit.Wer sie in rechter Weise studiert, der entdeckt darin immer aufsneue die größten Geheimnisse, eine Weisheit, die alle menschlicheWissenschaft, alle Logik und Metaphysik eines Plato und Aristo-teles überragt, und eine Beredsamkeit, die einen Cicero undDemosthenes weit hinter sich läßt 187 . Darum muß man dieHeilige Schrift mit der größten Ehrfurcht behandeln, in der wiruns an den Juden ein Beispiel nehmen könnten 183 . Selbst die
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