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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER UNERTRÄGLICHE IRRTUM

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zu verlassen und Alexander V. anzuerkennen 148 . Die im Einver-nehmen mit der Ordensleitung erlassene Bulle v. J. 1504, durchwelche die Dauer der Ordensämter auf zwei Jahre beschränktwurde, rief bei den holländischen Dominikanern solche Erbitte-rung hervor, daß sich sogar ein Papst wie Julius II. gezwungensah, nachzugeben und die Bulle zurückzunehmen 147 .

So wenig wie in seiner Gehorsamslehre trat der Frate durchNichtbeachtung des von Alexander VI. über ihn verhängten Kir-chenbannes der kirchlichen Verfassung grundsätzlich zu nahe. ImAnschlüsse an eine Entscheidung Innozenz' III. 148 und die darananknüpfende Erklärung der Glosse hatte schon der heilige Antoninnach dem Vorgange der berühmtesten Kanonisten geschrieben 149 ,unter einemunerträglichen Irrtume", Error intolerabilis, der eineVerbindlichkeit des Bannes ausschließe, sei jede schwere Sünde zuverstehen. Mit Fug und Recht konnte daher der Frate in seinemHandbuche für Beichtväter erklären, wer sich bewußt sei, keineschwere Sünde begangen zu haben, dürfe auch überzeugt sein, sichden Kirchenbann nicht zugezogen zu haben 150 . Lehrte doch auchnoch Franz Suarez, der gefeiertste Theologe des Jesuitenordens 151 ,wem keine schwere Sünde zur Last falle, dem falle auch der Bannnicht zur Last, und wenn das Gesetz nicht verpflichte, so könnevon Sünde, Ungehorsam oder Widerspenstigkeit bei seiner Über-tretung keine Rede sein. Der Frate hatte auch die gewichtigstenAutoritäten mit der Erklärung auf seiner Seite, ein Gebanntermüsse den Bann, dessen Ungültigkeit nur ihm selbst, nicht aberder Öffentlichkeit bekannt sei, um der Vermeidung eines öffent-lichen Ärgernisses willen, wenn auch nicht im Gewissensbereiche,so doch nach außen hin beachten, und dürfe sich sogar in derÖffentlichkeit über ihn hinwegsetzen, wenn seine Ungültigkeit ent-weder an sich schon offenkundig sei oder von ihm offen erwiesenwerde.Wenn jemand", schrieb der ob seiner kanonistischenGelehrsamkeit berühmte Dominikaner Petrus de Palude 152 (f 1342),öffentlich als gebannt erklärt wird, so mag er nun auch seinerseitsden Grund veröffentlichen, warum dieser Bann nicht gilt, z. B. eineetwa eingelegte Berufung oder sonst eine gerechte Ursache. Istdies geschehen, so handelt es sich nicht mehr um ein Ärgernis derKleinen, sondern der Pharisäer, um das man sich nicht zu küm-mern braucht." Dieser Lehre schloß sich der heilige Antonin voll-auf an 153 . Nach Johannes Gerson 154 ist eine Mißachtung der

47 Schnitzer, Savonarola