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DER KIRCHENERNEUERER
redsamkeit, sondern mit dem armseligen Netze aus geflicktemLinnen wie einst Petrus muß er zum Fischen gehen, nicht auf dieJagd, nicht auf die Suche nach Reichtümern und irdischenLüsten 86 . Durch hingeworfene Leckerbissen dürfen sich gewissen-hafte Prediger so wenig abspeisen wie durch Schläge einschüch-tern lassen; sind sie wirklich Hunde des Herrn, Domini canes, sosind sie weder der Schmeichelei noch der Bestechung zugäng-lich 87 . Als Stellvertreter Gottes und Herolde göttlicher Wahrheitdürfen sie nichts als die Ehre Gottes und das Heil der Seelenim Auge haben; wie einst Micheas müssen sie auch den Großendie Wahrheit sagen und dürfen nicht falschen Propheten gleichden Vornehmen immer nur zu Gefallen reden und Weihrauchstreuen 88 . Namentlich dürfen sie sich nicht scheuen, den Prä-laten offen entgegenzutreten, die ja auch öffentlich sündigen;wie einst Paulus dem Petrus, so müssen sie nötigenfalls selbstdem Papste mannhaft ins Angesicht widerstehen 89 . Einer solchenMahnung stand nun allerdings das den Söhnen des heiligen Do-minikus mit denen des heiligen Franz gemeinsame Verbot ent-gegen, sich in Predigten mit den Gebrechen des geistlichen Stan-des zu befassen 90 . Der heilige Bernhardin von Siena erklärte, mantue besser daran, über das Leben der Priester zu schweigen, alsschlecht zu reden, und wandte sich niemals in öffentlichen Pre-digten, sondern nur in eigenen Standesreden, zu welchen dieLaien keinen Zutritt hatten, gegen die Sünden der Prälaten undPriester 91 . Seine Ordensgenossen Bernhardin v. Busti, Bernhardinvon Feltre und Johann von Capistran hielten es ebenso, ja derVallumbrosaner Angelus der Sünder bezeichnete es als teuflisch 92 ,den Papst und die Prälaten in Gegenwart von Laien herabzu-setzen. Dagegen scheute sich der heilige Vinzenz Ferrer nicht,die Laster der hohen Prälaten auch öffentlich zu geißeln 93 , undauch der Frate zweifelte nicht im geringsten, daß es Recht undPflicht eines Predigers sei, pflichtvergessene und verstockte kirch-liche Vorgesetzte, den Papst nicht ausgenommen, ob öffentlicherVerfehlungen öffentlich zurechtzuweisen. Wohl gedachte er derMahnung der Schrift: „Tastet meine Gesalbten nicht an! (1 Par.16, 22)" Er gedachte aber nicht minder des Erlösers, der sichaufs schärfste wider die Schriftgelehrten und Hohenpriesterwandte und uns damit ermutigte und anspornte, in ähnlichenFällen dasselbe zu tun, denn jede Handlung Christi muß für uns