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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DAS PARADIES DER URKIRCHE

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wenn sie nicht an dem schlechten Wandel der Christen Anstoßgenommen hätten. Jedenfalls sind auch sie durch Christi Bluterlöst und können, wenn sie aufrichtig nach Wahrheit streben,das Heil erlangen; schon jetzt sind sie ja ehrlicher als die Christenund leichter zu bekehren als schlechte Mönche und Geistliche 65 .Im Feuer der göttlichen Heimsuchungen geläutert und vomalten Geiste der Verweltlichung und des Heidentumes gereinigt,kann die Kirche nun erst die Reform verwirklichen, die sie alleinnoch vom Unterfange rettet und in einer vollständigen Erneue-rung der christlichen Gesinnung und Lebensführung besteht. So-bald sich das Wort erfüllt hat:Siehe das Schwert Gottes raschund schnell", vollendet sich auch der Spruch:Siehe der GeistGottes auf Erden reichlich und in Fülle!" Dieser neue Geist istaber in Wahrheit nur der alte Geist, der sich beim ersten Pfingst-feste auf die Gläubigen herabsenkte und die Urkirche beseelte,jener Geist der apostolischen Armut und Einfalt, der Innerlich-keit, der Religiosität und der Liebe, der allein imstande ist, diegealterte Kirche zu verjüngen 66 . Savonarola ward nicht müde,seiner Zeit die Urkirche als leuchtendes Vorbild aller christlichenTugenden vor Augen zu führen; im Preise der Urkirche konnteer sich nicht genug tun. Er nannte sie einen Wonnegarten, einirdisches Paradies. Welcher Seeleneifer, rief er aus, begeistertejene alten Hirten, welcher Gehorsam die Untergebenen! WelcheKlugheit, welcher Takt lebte in den Vorgesetzten, welche Weis-heit in den Lehrern, w r elche Wahrheit in den Predigern, welcheHeiligkeit in den Priestern, welche Reinheit in den Kindern,welche Schamhaftigkeit in den Jungfrauen, welche Enthalt-samkeit in den Witwen, welche Ehrbarkeit in den Ehe-leuten, welche Gottes- und Nächstenliebe in den Gläubigenallzumal! Es ist nicht möglich, sich eine Vorstellung vonder Glückseligkeit jener Zeit zu machen, als alle ein Herz undeine Seele im Herrn w^aren. Sie waren noch nicht im Himmel,lebten aber auch nicht mehr ganz auf der Erde, weil ihr Herznicht mehr am Irdischen haftete. Sie waren voll der göttlichenWeisheit und beständig in Betrachtung vertieft, fröhlich in größ-ter Armut. Paulus verdiente seinen Lebensunterhalt mit seinerHände Arbeit und Petrus war nicht weniger arm. Damals legteman das Gelübde der Armut allgemein einem Mönche gleich ab.Um auf das Martyrium gefaßt zu sein, kommunizierte man jeden46 Schnitzer, Savonarola