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DER KIRCHENERNEUERER
alles feil, wer Geld hat, kann alles tun, selbst die Guten verführtsie, und nur das eine erträgt sie nicht, daß jemand fromm lebt.O Gott, soweit ist es mit den Häuptern der Kirche gekommen, daßman gerade sie wie die Pest fliehen muß, wenn man sich vor An-steckung bewahren will! In ganz Italien, in Frankreich, in Spa-nien, auf der ganzen Welt ist die Schmach der römischen Kirchebekannt. Nicht nur mit Christen sündigte sie, sondern sogar mitJuden und Ungläubigen schloß sie Freundschaft 47 . Selbst am Glau-ben hat man in Rom Schiffbruch gelitten, wie überhaupt Leute,die leben, wie man in Rom lebt, keinen Glauben mehr haben kön-nen 48 . „O Frate, sprach ein hoher Herr einst zu mir, was tust du,wenn der Glaube nicht wahr ist?" „Und du, entgegnete ich 49 , wastust du, wenn er wahr ist?" Die gottlosesten Menschen auf Erdensind heutzutage die Christen; es gibt nichts Habsüchtigeres, nichtsHochmütigeres, nichts Liederlicheres. Die habsüchtigsten, hoch-mütigsten und liederlichsten unter den Christen sind aber dieGeistlichen und unter den Geistlichen hinwiederum sind dieverworfensten die Prälaten. Teufel sind sie, nicht Menschen 50 .Sie verprassen das Kirchengut, das den Armen gehört, mä-sten sich im Schweiße ihrer Untertanen, die sie dem Hun-gertode überantworten, und berauben sie ihrer Habe, gehenaber gleichwohl straflos aus, denn die kleinen Diebe hängtman, die großen läßt man laufen. Und doch blähen sie sich inihrem Hochmute und möchten wie Götter verehrt sein 51 . Was abervon den Prälaten im großen gilt, das gilt von den Pfarrern undniederen Geistlichen im kleinen; ihre Sünden schreien zum Him-mel. Weit entfernt, übertrieben zu sein, erschöpft das eben Ange-führte noch nicht einmal den tausendsten Teil der Wirklichkeit".Ganz unmöglich können nun aber die Dinge noch länger sofortgehen. Wenn Gott gerecht ist und all die Greuel sieht; wenn ergewahrt, wie die Christen sein Blut verkaufen und so viele Simo-nien begehen, wie die Sodomie im Schwange steht und Heidentumund Ketzerei überhandnehmen: dann m u ß er eingreifen, dannkann er nicht länger mehr zusehen. Bliebe alles beim alten, somüßte man notwendig ins Heidentum zurücksinken und zumSchlüsse kommen, daß entweder der christliche Glaube nichtwahr oder dem Untergange nahe sei, oder daß das Weltgerichthereinbreche. Nun aber ist die Wahrheit des christlichen Glau-bens, wie wir ja auch in unseren Predigten wiederholt zeigten,