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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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KLAGEN ÜBER DAS KIRCHLICHE VERDERBEN

Flammen gebüßt; aber an dem Scheiterhaufen, in dem das Konzilseine Irrlehre zu ersticken wähnte, entzündete sich ein Feuer-brand, der nur mit größter Mühe zu löschen war. Als Prophet derböhmischen Brüder empfahl der taboritische Laie Peter Chelt-schitz seinen Getreuen ein armes, Unrecht leidendes, weltabge-kehrtes Leben in einer armen, von armen, ungelehrten Priesternverwalteten, von Zeremonien gereinigten Kirche. So sehr die Häup-ter des Konstanzer Konzils, Peter d'Ailly und Johannes Gerson,gegen Hus geeifert hatten, so beklagten die schweren Gebrechender Kirche doch auch sie aufs schmerzlichste. Nikolaus von Cle-manges geißelte in seiner SchriftVom verdorbenen Zustande derKirche 1 " die Verkommenheit der niederen wie höheren Geistlich-keit und namentlich auch der römischen Kurie mit rücksichtsloserStrenge und Offenheit, und mit nicht geringerer Entschiedenheitsprachen sich in Deutschland Heinrich von Langenstein (f 1397)sowie der fromme Karthäuser Jakob von Jüterbogk (f 1465) aus.In der Tat waren die bitteren Klagen dieser Männer 1 " nur zu be-rechtigt. Die Zügellosigkeit der Geistlichen hatte einen Grad er-reicht, daß sie nachgerade das sittliche Bewußtsein des Volkes ver-giftete, das sich auf die Länge der naheliegenden Folgerung kaummehr zu entziehen vermochte, wenn Welt- und Ordensgeistliche,die täglich die Messe feierten und den Leib Christi empfingen,gleichwohl in unehelichem Geschlechtsverkehre lebten, so könneentweder dieser nicht so sündhaft und verdammenswert sein, wiesie predigten, oder es habe mit dem von ihnen gelehrten Glaubennicht seine Richtigkeit. Ein Pariser Konzil erklärte 2 denn auch1429, da das scheußliche Laster des Konkubinats, von dem Geist-liche und Ordensleute angesteckt seien, in einer Weise verbreitetsei, daß die Christen die einfache Unkeuschheit nicht mehr füreine schwere Sünde hielten 3 , so sollten die Bischöfe aufs strengstegegen die Schuldigen einschreiten und ein solches Verbrechenfortan nicht mehr gegen Geld dulden, auf daß sie nicht als seineUrheber und Förderer dastünden.

In den folgenden Jahrzehnten hatten sich die Verhältnisse, stattzu gesunden, eher zum Schlimmeren gewendet. Zahlreiche Syno-den sahen sich veranlaßt, wider die zunehmende Verwilderung desWeltklerus, seine Unwissenheit, Roheit und Sittenlosigkeit einzu-schreiten 4 , und die Beschlüsse der Ordenskapitel 5 wie die Verfü-gungen der Ordensoberen gewähren furchtbare Einblicke in die