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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE PREDIGTSPRACHE

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der Faule zum Esel, der Jähzornige zum Löwen, der Unkeuschezum Schweine, und verwies ein andermal 201 auf die Erzählung An-tonins von einem wollüstigen Florentiner, der nach seinem Todeseinen Angehörigen in Gestalt eines Schweines erschienen sei.Selbst der milde heilige Bernhardin rief seinen Zuhörern im Eiferzu:Ihr Schweine 202 !", bezeichnete sie als wütende Hunde 203 undredete Gott selbst mit dem im Munde eines so frommen Mannesunglaublichen Ausdrucke an:Man kann sagen, der Teufel pißtdir auf den Kopf 204 ." Ganz besonders ward es dem Frate verargt,daß er in seiner berühmten Predigt von den fetten Kühen Sama-riens 205 mit ungeschminkten Worten von dem in Rom herrschen-den Dirnenunwesen sprach, ohne zu bedenken, daß nicht bloßFrauen, sondern auchHunderte von unschuldigen Kindern" zu-gegen waren 206 . Gewiß klingen seine Äußerungen unseren Ohrenhart genug, und es ist wahr, daß die diese Predigt enthaltendenBlätter in manchen Bänden herausgeschnitten sind. Das Merk-würdige ist wie so oft, so auch hier nur, daß sich erst die späterenund auswärtigen Leser, nicht aber die florentinischen Hörer andiesen Ausdrücken stießen 207 , auch nicht die Frauen und Kinder,die mit den herrschenden Verhältnissen zu vertraut waren, als daßsie an den sie bezeichnenden Worten hätten Ärgernis nehmenkönnen. Die florentinischen Kinder waren nicht bei den englischenFräulein erzogen und wußten in geschlechtlichen Dingen schonfrüh nur zu gut Bescheid; bedenkt man, daß damals Knaben vonihren Vätern aufgefordert wurden, sich durch schändlichen Ver-kehr mit Erwachsenen einen Nebenverdienst zu verschaffen, sowird man zugeben, daß der Prediger nicht zu befürchten brauchte,bei einer solchen Jugend Ärgernis zu erregen. Überhaupt pflegtendie Prediger bei Erörterung geschlechtlicher Fragen kein Blattvor den Mund zu nehmen, der heilige Bernhardin von Siena ver-breitete sich über das unnatürliche Laster vor Männern, Frauenund Kindern mit einer Ausführlichkeit und Offenheit 208 , die wirnicht mehr zu ertragen vermöchten. Damals aber scheute niemanddavor zurück, volkstümliche Gebrechen mit volkstümlichen Namenzu nennen; darin ging Savonarola mit Bernhardin Hand in Hand.Wie Bernhardin, kleidete der Frate seine Predigten zuweilen indie Form dramatischer Zwiegespräche mit seinen Hörern; dannwieder eröffnete er ihnen, er wolle nun nicht mehr als göttlicher