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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER PREDIGER

und wenn ich ihm nicht Luft mache, so verbrennt es mir Markund Bein im Innern."Ich kann gar nicht anders als predigen,wehe mir, wenn ich es unterließe 171 ." In ungewöhnlichem Maßeeigneten ihm die großen, in einer Person selten vereinigten Gaben,welche die Stärke des Redners bildeten: ein scharfer Verstand,ein vorzügliches Gedächtnis, ein tiefes Gefühl und eine lebhafteEinbildungskraft. Die spiegelhelle Klarheit seines Verstandes ließkeine Trübung seines Bewußtseins zu und zügelte die Überfülledes ihm ebenfalls angeborenen mystischen Zuges, der so leicht zuverhängnisvollen Verdunkelungen seiner Urteilskraft hätte führenkönnen 172 . Sein Gemütsleben war lautere Glut und loderte bei dergeringsten Berührung zur verzehrenden Flamme empor. SeineEmpfindungen umspannten die ganze Stufenleiter menschlicherWallungen, von den zartesten Regungen süßer Freude bis zu denstürmischen Ergüssen himmelhoch jauchzenden Jubels, von denleisesten Tönen bangen Kummers und Schmerzes bis zu den lei-denschaftlichsten Ausbrüchen verzweifelter Klage 173 . Weil in sei-nem Herzblute geboren, waren seine Gefühle stets echt und wahrund bei aller unverfälschten Natürlichkeit auch stets warmreligiös. Ein ausgezeichnetes Gedächtnis führte ihm jeden Augen-blick reichsten Stoff aus seinen biblischen, scholastischen und pa-tristischen Studien und Lesungen zu. Seine dichterische Veranla-gung und künstlerische Gestaltungskraft wußten seine Vorstellun-gen und Gefühle stets in die treffendsten Worte zu kleiden und inBildern zu versinnbildlichen 174 , die, stets durch lebendige Anschau-lichkeit ausgezeichnet, die Gemüter bald durch ihre Großartigkeiterschütterten 175 , bald durch ihre packende Natürlichkeit er-frischten 176 .

Dazu kam ein ungekünstelter und eben in seiner unmittelbarenNatürlichkeit um so sicherer wirkender Vortrag. Da er nichtssprach, als was er mit heißer Seele empfand, so sprach bei jedemWorte sein ganzes Herz mit, jeder Blick, jede Miene, jede Stellungdes Körpers, jede Haltung des Kopfes, jede Geberde und Handbe-wegung, der eigenartige Klang seiner Stimme war das getreueSpiegelbild seiner Seele. Er sprach rasch und feurig, und dochverstand man jedes Wort bis in den letzten Winkel des Domes.Sein Antlitz leuchtete wie von himmlischem Lichte verklärt, ver-zückte Hörer meinten Engel oder die seligste Jungfrau an seinerSeite zu sehen. Haarscharfen Pfeilen und brennenden Fackeln,