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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER PREDIGER

im Alten Bunde ob seiner Dunkelheit und Tiefe nur wenig be-schlagen war, da er ohnehin von den Predigern gewöhnlich derVergessenheit überantw r ortet und mit Staub bedeckt war. Ebensoschlecht war ich im Neuen Bunde bewandert, wie mir denn diegroße Bosheit und Verfolgung der Feinde Christi, seiner Lehreund ihrer Anhänger ganz unglaublich erschien. Die Predigtunseres Propheten jedoch sowie alles, was von ihm und widerihn, seine Lehre und ihre Liebhaber geschah, erschloß mir eineEinsicht in den Alten und Neuen Bund, die mich befähigte, dieSchrift nun schon ohne Erklärungen und Anmerkungen zu ver-stehen, ganz wie er es vorausgesagt hatte." Hatte er mit seinenbiblischen Vorträgen schon die Mönche von S. Marco vollständighingerissen, so fühlten sich durch sie nun auch die Gläubigenwie in eine höhere Welt entrückt.Wenn ich mich", schrieb erselbst 162 ,auf philosophische Erörterungen einließ, ermatteten dieZuhörer bald. So oft ich mich aber der Majestät der HeiligenSchrift zuwandte, sei es, daß ich ihren verschiedenen Sinn aus-legte oder Geschichten aus ihr erzählte, da war alles sofort Aug'und Ohr, und gleich Marmorsäulen richteten die Anwesendenregungslos ihre Blicke auf mich. Sobald ich die eitlen philosophi-schen Fragen auf sich beruhen ließ und mich nur mehr an dieHeilige Schrift hielt, gewahrte ich, daß die Gläubigen aus ihr diegrößte Freude und Erleuchtung schöpften und, von den scharfenStacheln des göttlichen Wortes verwundet, die Wahrheit erkann-ten und ein besseres Leben begannen. Fürder vermochte sie, wasimmer sie lasen und hörten, nichts anderes mehr zu fesseln. DenLüsten dieser Welt erstorben, trachten sie an Vollkommenheitvon Tag zu Tag zuzunehmen und werden so fast zu Heiligen.In alter Zeit, als die christliche Religion noch in voller Blüte stand,ging es geradeso, wie wir es eben erfahren. Denn jene (biblische)Lehre ist schneidiger als ein zweischneidiges Schwert." Ein gewißunbefangener Beurteiler, der Grieche Maximus vom Berge Athos,der seine Studien in Paris machte und sich auch in Padua, Vene-dig und Florenz aufhielt, hier eben zu der Zeit, als der Fratewirkte und endete, sprach sich in Ausdrücken höchster Bewunde-rung über ihn aus 163 . Er rühmte ihn als wahren Mönch, der volljeder Weisheit der Heiligen Schrift wie der weltlichen Philosophiegewesen sei, ein Heiliger, von göttlichem Eifer entflammt. Seinemeisterhafte Predigt habe die reichsten Früchte getragen, gleich-