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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE PROPHETISCHE PREDIGT

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itti Leben spreche, und zwischen dem, was ich als Herold Gottes an

I» heiliger Stätte verkünde. Wieder und wieder nahm ich mir vor,

diese prophetischen Dinge nicht mehr zu berühren, sobald ich

I, dann aber auf der Kanzel stand, vermochte ich mich nicht mehr

zu halten. Es war, als loderte ein verzehrendes Feuer in meiner

k Brust, ich fühlte mich ganz in der Gewalt des Geistes des Herrn.

Hatte ich die Kanzel verlassen, so machte ich mir Vorwürfe undnahm mir aufs neue vor, das Prophetische fürder zu meiden. Wieeinst seinen Propheten, so legt Gott auch mir zuweilen auf derKanzel Dinge auf die Zunge, von welchen ich im Augenblickeselbst nicht wußte, daß sie vom prophetischen Geiste stammten,sondern erst später Klarheit gewann." So kam es auch, daß er dieersten Jahre seinem eigenen, wie dem Urteile der Hörer nach einso unfähiger Prediger war. Erst seitdem er nicht mehr nach eige-nem Kopfe, sondern als Gesandter seines himmlischen Herrn pre-digte, schlug sein Wort ein und trug ungeahnte Früchte 157 .

Die prophetische Predigt fiel aber für den Frate vollständig mitder biblischen zusammen. Rief man ihm zu:O Frate, du predigstschrecklich", so gab er zur Antwort 158 :Die Schrift ist es, diealso spricht, sie aber hat Gott gemacht, nicht wir."Niemals hätteich mich vermessen, die Heilige Schrift in solcher Weise zu er-klären, hätte ich nicht ein anderes Licht in mir, das mich er-hellt 150 ." Wohl spielten biblische Aussprüche und Texte auch beiden anderen Predigern eine hervorragende Rolle. Doch traten siehier lediglich in Reih und Glied mit den Lehrsätzen menschlicherWeisheit und häufig genug in entstelltem Sinne auf, so daß siein ihrer religiösen Bedeutung, Tiefe und Kraft nicht zur Geltunggelangten 100 und die lauten Klagen nicht zum Verstummen brach-ten, die Heilige Schrift liege im Staube begraben und sei fastgänzlich vergessen. Beim Frate dagegen bildete die Bibel so sehrden alles belebenden und beherrschenden Mittel- und Angelpunktjeder Betrachtung, daß neben ihr alle irdischen Größen in denHintergrund traten und höchstens als nebensächliche Belege undStützen dienten. Gerade das ward ihm von seinen Zuhörern stetszum größten Verdienste angerechnet, daß er seit langer Zeit dasschlichte Wort der heiligen Bücher wieder zu Ehren brachte undden himmlischen Edelstein der Offenbarung in seinem altenGlänze erstrahlen ließ.Ich glaubte und glaube an ihn, bekannteeiner seiner Verehrer 161 , weil ich, ehe ich diesen Propheten hörte,