PREDIGTMISSBRÄUCHE
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betrügerischen Bettelmönche entlarvte 44 , die das Volk mit falschenReliquien ausbeuteten, so stellte Sacchetti die habsüchtigen Pre-diger an den Pranger, welche die Leichtgläubigkeit des Volkesausnützten 45 . Thomas Guardati, gen. Masuccio, aus Salerno, derneapolitanische Boccaccio genannt 46 , schlug in dieselbe Kerbe, in-dem er, obschon einer seiner Söhne Dominikaner und sein BruderFranz Priester war, den plumpen Schwindel, den manche Pre-diger mit erdichteten Reliquien und mit ebenso erdichteten Wun-dern und Offenbarungen trieben, wie auch ihre empörende Schein-heiligkeit und Liederlichkeit rücksichtslos brandmarkte 47 . GentileSermini von Siena 48 nahm einen unersättlichen Dorfpfarrer aufsKorn, der in seinen Predigten die Unterstützung der Armen mitAlmosen als Todsünde ausgab, um die Spenden des Volkes alleinzu ernten und den Altar zur Speisekammer zu machen. Daß dieHumanisten, von strengen Observanten ob ihres heidnischenWesens gerügt, erst recht die volle Schale ihres Grimmes über diePrediger aus ihren Reihen ausschütteten, kann nicht befremden.Der Humanist Franz Filelfo schilderte einen Minoritenprediger alsgefährlichsten Feind aller Jungfräulichkeit und Schamhaftigkeitund würdiges Seitenstück zu einem nichtswürdigen Knaben-schänder 49 . Poggio wandte sich in seinen Schriften, besondersaber in seinem „Zwiegespräche gegen die Heuchelei" mit denschärfsten Worten wider die Observantenprediger, die sich auf derKanzel eher wie Affen denn wie Redner gebärdeten, bald ganzleise flüsterten, dann wieder wie wahnwitzig brüllten, mit derFaust auf die Kanzel schlugen, emporschnellten, als wollten sievon dieser herabspringen, und nicht das Heil der Seelen, sondernlediglich die Gunst der törichten Menge suchten, deren Laster siein einer Weise bekämpften, daß sie darin vielmehr unterrichteten,indem sie alberne Possen und anstößige Schwanke zum bestengaben; ein Observant habe sogar neulich in Anagni,'wohl um dieWeiber anzulocken, nackt gepredigt 50 . Aufs bitterste verhöhnteErasmus in seinem „Lob der Narrheit 51 " die Prediger, weil sieihren Stoff vielfach bei den Haaren herbeizogen und von derQuadratur des Zirkels sprachen, wenn sie vom Glauben redenwollten, endlose Schlüsse mit Obersätzen, Untersätzen und Folge-rungen, Begriffsbestimmungen, Einteilungen, verkünstelte Er-klärungen und Bilder der Heiligen Dreifaltigkeit und kindischeSpielereien mit den Buchstaben des Namens Jesu zum besten