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DER PREDIGER
recht, Dominikus sei der erste Prediger gewesen; denn wenn esauch niemals an Dienern der Kirche fehlte, die predigten, so gabes doch Priester, die sich die Verkündigung des göttlichen Worteszur Lebensaufgabe wählten, erst von der Zeit an, als der SpanierGuzman einen eigenen Orden von Berufspredigern schuf, als derengeistiger Vater er mit Recht der erste Prediger hieß. Durch ihnnahm die Predigt einen unerhörten Aufschwung, und wenn auchdie Franziskaner hieran einen Anteil hatten, der nicht geschmälertwerden soll, so wandelten sie doch nur in den von Dominikus ge-wiesenen Bahnen, der seine ganze Ordensverfassung auf sie an-gelegt hatte. Humbert de Romanis, einer seiner Nachfolger in derLeitung des Ordens (f 1277), gab in seiner Schrift „Über die Un-terweisung der Prediger" 3 die erste ausführlichere Anleitung zusegensreicher Ausübung des Predigtamtes; auch den strahlendstenLeuchten des Ordens, einem Albert dem Großen und Thomas vonAquin, wurden Bücher der Art beigelegt 4 , als könne man sichkeinen hervorragenden Dominikaner denken, der nicht auch dasSeinige zur Ausbildung einer so erhabenen Kunst beigesteuerthätte. Mit bewunderungswürdigem Eifer oblagen die Prediger-brüder ihrem hehren Berufe. Wohl zu keiner Zeit wurde so häufigund so eindringlich gepredigt wie im ersten Jahrhundert derBettelmönche. Von einem Ende zum anderen widerhallte dieitalienische Halbinsel von den feurigen Stimmen der neuen Apo-stel. Der schon erwähnte Jordan von Pisa schien sich in Aus-streuung des göttlichen Samens gar nicht genug tun zu können,seine Ordensgenossen Remigius von Florenz, Jakob de Voragine,Albert von Padua, Hugo von Prato, Johann von Brescia, Johannvon Vicenza u. a. rangen mit ihm um die Palme 5 . Söhne desVolkes, unter dem und mit dem sie lebten, durch ihr strenges Ar-mutsgelübde auf den Bettel von Haus zu Haus angewiesen unddaher durch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gläubigen un-mittelbar berührt, mit seinen Freuden und Leiden, Wünschen undKlagen, Fehlern und Schwächen vertraut, sprachen sie auf derKanzel die schlichte, herzliche Sprache des Volkes, rügten seineGebrechen und Untugenden, nahmen sich aber auch seiner Sacheaufs wärmste an und verteidigten seine Rechte und Freiheitengegen die Übergriffe seiner Bedränger. So ward der Prediger zumVolksmanne. Die dem italienischen Volke angeborene hohe Ach-tung vor dem Redner und der Macht des gesprochenen Wortes