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2 (1924) Das Streben
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DER PROPHET

an Propheten und Prophetien törichter Leichtgläubigkeit beschul-digten, in seiner 1496 veröffentlichten Schrift unter deutlicher An-spielung auf den Frate zur Antwort, Vorwürfe der Art seien leichtzu entkräften 75 . Wenn sogar bei den heidnischen Völkern, wie dasOrakel- und Augurenwesen der alten Griechen und Römer lehre,der Glaube herrschte, daß es eine Ahnung künftiger Dinge gebe,wenn Gott schon im Alten Bunde Propheten, im Neuen Bunde abernicht etwa nur zur Zeit der Apostel, sondern auch noch in denspäteren Jahrhunderten Seher wie den heiligen Benedikt und denheiligen Anton sandte, so sei es nicht gar so verwunderlich, daßauch in den Stürmen der Gegenwart ein solcher Mann auftrat, daGott doch gläubige Christen nicht schlechter als einst die Judenbehandeln könne. Unwidersprechliche Tatsache sei nun doch,daß das von diesem Manne Vorausgesagte wirklich so eintraf, unddas sei schließlich das sicherste Merkmal eines echten Propheten.Derselben Anschauung huldigte ein französischer Staatsmann, derdie Verhältnisse der damaligen Zeit wie wenige durchschaute undmit dem Obern von S. Marco persönlich bekannt war, PhilippCommynes.Ich will", so schließt er seinen Bericht über ihn 76 ,die Florentiner weder be- noch entschuldigen und weiß nicht,ob sie wohl oder übel daran taten, ihn hinzurichten. Aber er sagteviele Dinge, die zutrafen und die ihm die Florentiner nicht sagenkonnten. In bezug auf den König und die Strafen, die er ihm an-drohte, stieß diesem zu, was ihr seht: zuerst der Tod seines Sohnesund dann sein eigener. Und ich habe die Briefe gelesen, die erdem Könige schrieb."

Sogar Angehörige des Franziskanerordens, die sicher nicht imVerdachte blinder Voreingenommenheit für den Frate standen,nahmen seine Prophetie kräftig in Schutz. Der römische Minoriten-observant Paul von Nola trat, wie wir sahen, mit einer umfang-reichen Abhandlung für sie in die Schranken, der Minorit Paulvon Fucecchio verteidigte sie wider die Angriffe des AugustinersLeonhard von Serezano, Graf Johann Franz Pico gegen die Schmäh-schrift des Minoriten Samuel Cascini. Der Vallumbrosaner Angelusder Sünder erklärte, wenn sich der Frate für einen Prophetenausgebe, so sei dies an und für sich noch nicht zu verwerfen, daja Gott stets, wenn große Ereignisse, wie eben jetzt, bevorstehen,seinen Propheten zu senden pflege 77 . Die kräftigste Lanze legteaber für ihn der bosnische Franziskaner Georg Drachisich mit