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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DIE PROPHETIE

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wart oder Zukunft gibt; er allein schaut sie in der Ewigkeit seinesLichtes und kann sie daher auch seinen Erwählten kundgeben.Dies geschieht, indem er dem Propheten zunächst ein übernatür-liches Licht eingießt und hierdurch gewissermaßen Anteil an sei-ner Ewigkeit gewährt. Kraft dieses Lichtes ist der Prophet desgöttlichen Ursprunges der ihm zuteil gewordenen Offenbarungso gewiß wie der Philosoph kraft des natürlichen Lichtes seinesVerstandes der ersten Grundwahrheiten und jeder Mensch derSätze des Einmaleins. Sodann weiht Gott den Seher im ein-zelnen in das ein, was er von ihm erkannt und verkündet wissenwill, wobei er auf verschiedene Weise verfährt. Zuweilen näm-lich flößt er seinem Geiste das, was er voraussagen soll, unmittel-bar ein; so gab er dem Salomon seine Weisheit ein und so weis-sagte David. Manchmal erzeugt er in seiner Einbildungskraft ver-schiedene Träume, Gestalten und Erscheinungen, Sinnbilder des-sen, was der Prophet zu verkünden hat. Dieser vermag sie aufGrund des ihm eingegossenen übernatürlichen Lichtes richtig zudeuten, denn sonst wäre er überhaupt kein voller Prophet. Mit-unter führt Gott solche Erscheinungen in den äußeren Sinnen,besonders in den Augen herbei, wie nach dem Buche Daniel(5, 5 ff.) eine Hand das Mene, Thekel, Phares an die Wand schrieb.Dabei ist zu bemerken, daß Gott die im äußeren Sinne oder inder Einbildungskraft des Propheten hervorgerufenen Erschei-nungen durch Engel bewirken läßt 30 . Um ihres fremdartigen, un-heimlichen Ursprunges willen sind solche Offenbarungen wenig-stens anfangs für den Empfänger mit einem Gefühle der Angstund des Grauens verbunden und stellen sich, da sie größte Geistes-sammlung und Ruhe voraussetzen, am liebsten bei Nacht ein, wennder Mensch einsam und ringsum von tiefer Stille umgeben ist 31 .Da nun der böse Feind den großen Nutzen der Prophetie für dasHeil der Seelen gewahrt, so sucht er ihm dadurch zu begegnen,daß er falsche Prophetien in die Welt setzt, um durch ihre Nicht-erfüllung den Glauben an die wahren zu untergraben. Hat er dochdie Macht, sich in einen Engel des Lichtes zu verkleiden und beiseiner überragenden Wissenschaft den Menschen Verborgenes zuweissagen, wenn er auch frei zukünftige Dinge niemals voraus-sagen kann. Wie kann man nun göttliche und dämonische Pro-phetien unterscheiden 32 ? Das erste Merkmal einer göttlichen Pro-phetie ist ihre Übereinstimmung mit dem natürlichen Lichte der