DER ENGELSPAPST
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scheinen 10 . In Ferrara erhielt 1495 eine fromme Person von der.Madonna die Mitteilung, im nächsten Jahre solle Italien von einerfurchtbaren Heimsuchung betroffen werden, und es hieß, darauf-hin habe der Papst wie ganz Ferrara bei Wasser und Brot ge-fastet 11 . Zu Rom tauchte 1491 ein fremder Mann im Bettler-gewande auf, zeigte den Leuten den vollen Einklang des AltenBundes mit dem Neuen und sagte voraus, Italien werde mit vielenTrübsalen gezüchtigt, bis zuletzt der Papst jeder weltlichen Herr-schaft entkleidet sein und einem engelgleichen Hirten, Pastor an-gelicus 12 , Platz machen werde, dem nur mehr das Leben derSeele und höhere, geistliche Dinge am Herzen liegen 13 . DieserGlaube an einen künftigen Engelspapst war namentlich in Florenzlebendig. So teilte ihn der gelehrte Humanist und spätere Biblio-thekar Leos X., Zenob Acciajuoli, und bat den Kamaldulenser-general Peter Delphin um Besorgung einer venetianischen Hand-schrift, die Nachrichten über ihn enthalten sollte 14 . Der florentini-sche Domherr Prosper Pitti, ein heiligmäßiger Mann, von Gottmit der Gabe der Prophetie begnadet, ward nicht müde, in derHeiligen Schrift, die er immer nur auf den Knien vor einem Kreuzelas, zu forschen, und entnahm ihr die Zerstörung Italiens und dieErneuerung der Kirche unter einem Engelspapste, an die sich dieBekehrung der Türken anschließen werde 15 . Überhaupt fielenWeissagungen nirgends auf so fruchtbaren Boden wie in Florenz,dem Herde humanistischer Gelehrsamkeit und neuheidnischerBildung, und nicht etwa nur alte Weiber und einfältige Leuteniederen Standes, sondern auch angesehene Bürger schenkten denzahllosen Einsiedlern und Fratizellen williges Gehör, die nahesUnheil androhten 16 . Im letzten Jahrzehnte des 15. Jahrhundertswaren hier Schriften 17 im Umlaufe, welche die Bekehrung derganzen Welt zum Christentum voraussagten und Apollo, Jupiterund Minerva anriefen, um die Schrecken des jüngsten Gerichtswürdig besingen zu können. Noch zu Beginn des 16. Jahrhun-derts hielt hier die prophetische Erregung ungeschwächt an.Thomas von Rieti, Prior von St. Maria Novella, ein erklärterGegner Savonarolas, sagte für das Jahr 1524 die Sündflut voraus 15 .Zwar erklärten einzelne Theologen, im Neuen Bunde sei die Pro-phetie mit Johannes dem Täufer abgeschlossen, es könne daherkeine Propheten mehr geben; solch „winzige Zwerge" fandenjedoch wenig Gehör 10 .
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