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2 (1924) Das Streben
Entstehung
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DER BETER UND MYSTIKER

gab mir zur Antwort: Thaies 30 täuscht sich, ich bin dein Gottnicht. Ich fragte die Luft, und sie antwortete mir: Steige nochhöher hinauf, ich bin dein Gott nicht. Ich fragte das Feuer, undes antwortete mir: Nimm dir Flügel, ich bin dein Gott nicht. Ichfragte den Himmel, die Sonne, den Mond und die Sterne, und sieantworteten mir: Erhebe dich über uns, wir sind dein Gott nicht.Ich fragte die Engel, und sie antworteten mir: Ermanne dich, wirsind dein Gott nicht. Ich fragte die gesamten Geschöpfe, und sieerwiderten mir in gewaltigem Chore: Der uns aus nichts erschuf,der ist dein Gott. Wo ist nun mein Gott? Wo soll ich ihnsuchen? Überall ist dein Gott, suche ihn in deinem Herzen! WieHimmel und Erde, so erfüllt er dein Herz. Und so wende ichmich an mein Herz und spreche zu meinem Gotte: Wie kamst duhierher, bei welcher Türe tratest du ein, meine süße Liebe? Ichfragte die Augen, und sie antworteten mir: Wenn er nicht farbigwar, so ging er nicht durch uns ein 31 . Ich fragte die Ohren, undsie antworteten mir: Wenn er kein Geräusch verursachte, so ginger nicht durch uns ein. Ich fragte die Nase, und sie antwortetemir: Wenn er keinen Geruch verbreitete, so ging er nicht durchmich ein. Ich fragte den Geschmack, und er antwortete mir:Wenn er nicht schmeckte, so ging er nicht durch mich ein. Ichfragte das Gefühl, und es antwortete mir: Wenn er keinen Körperbesaß, so ging er nicht durch mich ein. So warst du denn in mir,und die Sinne wußten es nicht. Du kamst in die Seele, aber nichtdurch die Sinne des Leibes. Denn dein Licht leuchtet, wo sichkein Ort ausdehnt. Deine Stimme erschallt, wo keine Zeit rinnt.Was also bist du, Gott meine Liebe? Wahrlich, du bist der großeGott, der unsere Wissenschaft übersteigt. Du liebtest mich innig,meine einzige Liebe. Du liebtest mich, ehe ich dich liebte. Nachdeinem Bilde erschufest du mich, all deinen Geschöpfen zogstdu mich vor. Nicht unter den Ungläubigen ließest du michgeboren werden, im Heiligen Geiste und Wasser tauftest dumich. Reichtum und Armut beschiedest du mir nicht 32 , Ein-sicht und Weisheit lehrtest du mich, und wenn ich irrte,so wiesest du mich zurecht. Du pochtest an die Türe, undich öffnete dir nicht. Ich wirkte aus eigener Kraft, die dochkeine war. Ich wollte laufen, und vermochte es nicht, eben dabrach ich zusammen, wo ich zu stehen wähnte. Ich sündigte, unddu suchtest mich heim. Ich fiel, und du hobest mich auf. So