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DER BETER UND MYSTIKER
kennen. Auf gemeinschaftlichen Spaziergängen leitete er die No-vizen, seine ganz besonderen Lieblinge, an, in der Herrlichkeitder Natur die Herrlichkeit ihres Schöpfers zu bewundern, in derBetrachtung der Sternenpracht verging er fast vor Heimweh nachdem himmlischen Vaterlande 3 . Die Unermeßlichkeit der gött-lichen Liebe war ihm das Wunder der Wunder, die Versenkungin die Geheimnisse der göttlichen Dreifaltigkeit die höchsteWonne 4 . Auf Gott und die Erhabenheit und Einfachheit seinesWesens kam er in seinen Predigten immer wieder zu sprechen,unermüdlich war er bestrebt, die vielfach eingewurzelten unwür-digen Gottesvorstellungen auszumerzen und durch reinere und ge-läutertere zu ersetzen 5 . Wenn er sich nun im Gebete schon fürgewöhnlich nicht genug tun konnte, so eröffnete er wahre Gebets-stürme auf den Himmel, sobald er, wie es 1493 bei LostrennungS. Marcos von der Lombardei oder im Herbste und Winter 1497/98zur Zeit des Kirchenbannes der Fall war, vor folgenschweren Ent-scheidungen stand. ,,Wer pflog", schrieb ein Mann, der ihn genaukannte", „seit langer Zeit das Gebet erst selber so unverdrossenund hielt hiezu auch die Brüder so an wie er? Nie sah man ihnetwas unternehmen, mochte es auch von geringer Bedeutung sein,das er nicht mit Gebet begonnen hätte."
Mit der Liebe zu Gott fiel ihm die Liebe zum menschgeworde-nen Gottessohne von selbst zusammen; er fand fast nicht Wortegenug, um den im Stalle zu Bethlehem geborenen Erlöser zu be-grüßen und Maria, die jungfräuliche Gottesgebärerin. „Heute", soließ er sich in der Ansprache vernehmen, die er an einemWeihnachtsfeste an die Brüder von S. Marco hielt 7 , gingeine wunderbare Sonne für alle die auf, die im Lande des dunk-len Schattens und im Reiche des Todes wohnen. Das ist der vonden Propheten so heiß ersehnte Tag, von dem geschrieben steht:„Der Wolf wird beim Lamme verweilen und der Pardel wird sichzum Böckchen lagern" (Isaia 11,6). Heute ist dies kleine Kindgeboren, das den Nacken der Stolzen erniedrigt. Kommt, ihrKönige aus dem Morgenlande, demütiget euch vor ihm, legt eureKronen ab, werft euch zur Erde nieder und küßt ihm die heiligenFüße! O römisches Reich, rüste dich, ein kleines Kind wird dichleiten! 0 römischer Kaiser, du Löwe, du Wolf, du Unterdrückerder ganzen Welt, ein kleines Kind wird dich leiten! Neige deinHaupt zur Erde nieder, küsse einem Fischer die Füße, überlasse