Dingen preisgegeben und der neuen Zeit mancherlei Zuge-ständnisse eingeräumt. In verschiedenen Ländern wird derLeichnam nicht mehr wie früher prozessionsweise vomSterbehause abgeholt; er wird nicht mehr in die Pfarr-kirche, sondern ins Leichenhaus verbracht; er wird dahinnicht mehr getragen, sondern gefahren; er wird nicht mehrin der Pfarrkirche ausgestellt; der Trauergottesdienst wirdnicht mehr in seiner Gegenwart abgehalten. Bedeutet alsodie jetzige kirchliche Begräbnisfeier ohnehin schon einenstarken Bruch mit der kirchlichen Vergangenheit, warumsollte der weitere Schritt, wie dem Erd- so auch demFlammengrab den religiösen Segen zu spenden, nicht ebensozulässig sein? Es ist ferner auch gar nicht wahr, daß, wieScurati behauptet, eine künstliche Beschleunigung der Ver-wesung von vornherein unstatthaft sei. Nicht nur lehrenangesehene katholische Theologen 2 ) das Gegenteil, sondernes ist auch bekanntlich in manchen Klöstern seit langer ZeitBrauch, die Leiche ohne Sarg im bloßen Ordensgewande indie Grube zu legen und mit einer Schicht ungelöschtenKalkes zu bedecken oder mit einer zersetzenden Flüssig-keit zu besprengen. Ist das schließlich nicht auch eine ArtLeichenverbrennung? Und doch ward sie kirchlich niemalsbeanstandet. Wie schon Scurati, so gibt Kardinal Merrydel Val in seinem Schreiben an die Bischöfe vom Jahre 1926selbst zu, das kirchliche Verbot der Einäscherung lasse umdes allgemeinen Wohles ■willen, so etwa in Zeiten desKrieges oder einer verheerenden Seuche, Ausnahmen zu.Es kann auch kein Zweifel obwalten, daß die Kirche ihrVerbot ganz aufheben könnte und früher oder später auf-heben wird, mögen gleich übereifrige Fanatiker in der Hitzedes Gefechtes noch so feierlich das Gegenteil verkünden.Sie wird sich hierzu um so eher verstehen, je weniger siesich auf die Dauer der Einsicht verschließen kann, daß dieihrem Verbote zugrunde liegenden Voraussetzungen hin-fällig sind. Der Jesuit Lehmkuhl 3 ) wiederholt zwar dievon Scurati erhobene Anschuldigung, die Einäscherung sei,vom kirchlichen Verbot ganz abgesehen, auf Grund der siebegleitenden Umstände sittlich schlecht, da ihre Beförderersehr wohl wissen, daß sie mit ihr eine der wahren Religionbare heidnische Gepflogenheit erneuern und auch deutlichzu verstehen geben, die Verbrennung sei ihnen das Sinn-bild gänzlicher Vernichtung des Menschen und habe es aufdie Leugnung der Auferstehung abgesehen. Somit sei dieEinäscherung ein Bekenntnis des Unglaubens und des Mate-rialismus und eben deshalb eine sehr schwere Sünde. An
2 ) So der Jesuit Lehmkuhl. Theol. Mor. II« 675; ebensoder Dominikaner D. Priimmer, Manuale Jur. Can. ed. 3 S. 444.
3 ) A. a. O.
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