III.
Die Feuerbestattung.
Unter allen Bestattungsarten kommt dem Begräbnissean weltweiter Verbreitung der Leichenbrand am nächsten.Auch er blickt auf eine vieltausendjährige Vergangenheitzurück. Schon in jüngerer Steinzeit ist er in Palästina nach-zuweisen; die ältesten Bewohner von Gezer verbranntenihre Toten, um das Jahr 5000. Sie hatten zu diesem Zweckeeine natürliche Höhle als Brandstätte eingerichtet, worinetwa 100 Personen eingeäschert wurden. Auch in Mesopo-tamien ist durch die Ausgrabung Feuerbestattung schon fürdie vorgeschichtliche Zeit festgestellt 1 ). Bisher nahm manfast allgemein an, das Begräbnis habe in Europa bis in dieBronzezeit seine Herrschaft behauptet; heute ist Leichen-verbrennung als neolithischer Totenkult in der Bretagne,in der Umgebung von Paris, in Belgien, in Hessen, in derdeutschen Schweiz und in Bessarabien nachgewiesen 2 ). Wiedas Begräbnis, so ist der Leichenbrand in allen Erdteilenheimisch, in Südostaustralien und an der Portlandsbai, inTasmanien, in Neuguinea, auf den südlichen Salomons-inseln, im Norden Asiens bei den Tschuktschen, Giljakenund Korjaken, bei den Mosso in Südchina, bei den Hindu,bei den Primitiven des indischen Binnenlandes, bei ver-schiedenen Stämmen Assams, bei den Negern in Benguela,bei den Indianern der Nordwestküste Amerikas, beimanchen Völkern Südamerikas, so bei den Feuerländern 3 ).In einigen Ländern herrscht jetzt das Begräbnis, wo manehedem dem Brande oblag, so im Indusgebiete und bei denLolo in Südwestchina 4 ); umgekehrt gelangte der Brand zurHerrschaft, wo ursprünglich das Grab bevorzugt wurde,namentlich äußerte der Buddhismus seinen starken Einflußauf seine Bekenner, die überall der Verbrennung huldig-ten 5 ). Mehrfach gehen neben der Aussetzung, der ältestenForm, sich der Leiche zu entledigen, Erd- und Feuerbestat-tung friedlich einher, so in Tasmanien, im Bereich desHimalaya und in Südchina 6 ). Häufig gilt die Flamme alsganz besondere Ehre, welche nur Königen, Vornehmen,Zauberern und Mönchen zuteil wird. So gingen bei denAzteken die vornehmsten Toten, die im Kriege Gefallenen,
*) Obermaier b. Ebert IV, II. 473; Unger ebd. 485,
2 ) Obermaier, Urgeschichte 284, 302; Dets., D. Mensch d.Vorzeit I, 492.
3 ) Buschan, Völkerkunde I, 97, 273, 522; II, I, 45, 154, 171,319, 450, 476, 510, 547, 550. 923 ff.; Ders, Sitten I, 202; II, 134;III, 171; Waitz II, 196; III, 199, 330, 387; VI, 806.
4 ) B u s c h a n, Völkerkunde II, I, 467, 648.6 ) Buschan II, I, 661, 680, 923 ff.
6 ) Buschan II, I, 45, 454f., 638; v. Negelein 331.
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