Druckschrift 
Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

Knochen auf, solche eines Fußes, eines Armes, den Kieferund besonders den Schädel. Damit hängen die von ver-schiedenen Stämmen geübten Teilbestattungen zusammen,wobei nur der Schädel aufbewahrt bzw. bestattet wird,während man die Leiche des Enthaupteten liegen läßt 15 ).Der Schädel wird zum Fetische und genießt als Inhabermagischer Kräfte größte Verehrung. Dies gilt namentlichvon den Schädeln der Häuptlinge oder sonstiger hervor-ragender Männer, dann auch ganz allgemein von denSchädeln der Ahnen überhaupt, die keine bloßen Erinne-rungsstücke sind, sondern an allen Ereignissen und Festendes Stammes oder der Familie teilnehmen und meist wieLebende behandelt werden 16 ). Als heilkräftig wird be-sonders auch das Trinken aus einem Schädel erachtet, sobei den Germanen in heidnischer und noch in christlicherZeit und bei australischen Stämmen noch heute 17 ). Wie imSchädel selbst, so lebt die Seele des Toten in einzelnenSchädelteilen und in den Knochen fort, welche daher alsTalismane und Amulette verwendet, als Halsbänder undArmringe getragen, als Heil- und Schutzmittel gegenKrankheiten und Gefahren aller Art gebraucht, als kost-bare Reliquien von den Melanesiern in eigenen Schreinenaufbewahrt werden 18 ). Der alte Germane sucht den Grundder Lebensdauer im Knochenbau und legt daher auf voll-ständige Erhaltung des Knochengerüstes, in der er einMittel zur Unsterblichkeit erkennt, größtes Gewicht 19 ).

ILDie Erdbestattung.

Weit entfernt, dem Schöße der Erde das alleinige Vor-recht der Leichenbergung zuzuerkennen, ziehen die Primi-tiven alle Elemente in den Dienst der Totenbestattung,Erde und Luft, Feuer und Wasser. Unter allen Bestattungs-arten erfreut sich jedoch das Erdbegräbnis unstreitig derweitesten Verbreitung. Wir begegnen ihm in allen Welt-teilen, in allen Jahrtausenden, auf allen Kulturstufen. Wirfinden es in Australien, Tasmanien, Neuguinea, auf denzahllosen Inseln und Inselgruppen der Südsee, in China,Japan und Korea, bei den Himalayastämmen, in Vorder-und Hinterindien, bei den Indianern von Nord-, Mittel-und Südamerika wie bei den verschiedensten Neger-

15 ) R. Martin, Über Skelettkult, 26 f.; 30.1C ) Martina, a. O. 27.

") E. L. Rochholz, Deutscher Glaube und Brauch I, 231;W a i t z VI, 806 f.

18 ) Buschan I, 273, 281, 520; II, I, 37, 94, 107, 445, 778.923 ff.. 930; Ders, Sitten I, 128, 202 f., 520 f., Waitz VI, 806 t.

19 ) Rochholz, a. a. O. 272, 290.

10