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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
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noch die ältesten Väter und Konzilien erließen ein solches;daß die Einäscherung keinem Dogma widerspreche, gebendie Theologen aller Jahrhunderte einhellig zu. Scuratiselbst vermag auch nicht den Schatten einer biblischen oderpatristischen Überlieferung vorzubringen. Er muß für seineBehauptung einer Sündhaftigkeit der Feuerbestattung denBeweis an den Haaren herbeiziehen, vermeintliche Paral-lelen mit dem vierten und fünften Gebote ausnützen und,da er im Neuen Testament keine Stütze findet, auf das alt-testamentliche Tobiasbuch zurückgreifen, das selbst wiederlediglich die semitische Sitte des Begräbnisses bezeugt, voneinem Verbot der Leichenverbrennung aber nichts weiß. Istnun aber die angebliche Sündhaftigkeit der letzteren wederim Naturrecht, noch in irgendwelchen biblischen oder alt-kirchlichen Aussprüchen begründet, so ist schwer zu be-greifen, wie eine an sich völlig neutrale Bestattungsart alsAbfall vom Christentum, als Rückfall ins Heidentum gekenn-zeichnet und mit den schwersten Kirchenstrafen bedrohtwerden konnte. In Wirklichkeit ist nichts so grund- undurheidnisch wie das Erdbegräbnis, welches christlich erstdurch die kirchliche Übung und Weihe wurde. Von Hausaus sind alle Elemente heidnisch, die Erde und das Wassernicht minder als das Feuer. Die Kirche weiht das Tauf-wasser, in welchem das Kind zu neuem Leben geborenwird. Sie weiht die Friedhofserde, in welcher der müdeGreis zur letzten Ruhe gebettet wird. So weihe sie dennauch das Feuer und bete im Krematorium, und sofort istauch dieses christlich und alles Ärgernis behoben. Solangesie sich der Weihe jedoch weigert, hat sie kein Recht, demKrematorium eine Weihelosigkeit und Unchristlichkeit vor-zuwerfen, an welcher lediglich sie selber die Schuld trägt.Zwar beschuldigt die Kirche die Feuerbestattung einesgewaltsamen Bruches mit der ehrwürdigen Gewohnheit desBegräbnisses. Allein ganz abgesehen davon, daß sichChristus selbst, wie Tertullian schreibt 1 ), die Wahrheit undnicht die Gewohnheit nennt, so können Gewohnheiten,Sitten und Bräuche vergehen, wie sie entstehen. Gebensie den Ausschlag, so müßten wir erst recht heute noch derEinäscherung huldigen, wie ihr ehemals auch unsere ger-manischen Urväter ergeben waren. Überdies ist die christ-liche Sitte des Begräbnisses dem Judentum entlehnt, und esist doch eine starke Zumutung an die heutige europäischeWelt, an der Beerdigung aus dem Grunde festzuhalten, weilsie vor 2000 Jahren von asiatischen Semiten übernommenwurde, die ihrerseits zuvor selbst den Leichenbrand geübthatten. Übrigens hat die Kirche ihre alten Begräbnis-bräuche doch auch selbst in manchen nicht unerheblichen

*) De virginibus velandis c. 1.

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