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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
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rückte. Wenn nun die Wandlung von der Feuer- zur Erd-bestattung sicher nicht ohne tiefe innere, religiöse Gründevor sich ging, so liegt es nahe, diese im siegreichen Vor-dringen der neuen Wodanreligion sowie in einer Wand-lung des Seelenbegriffes zu erblicken 54 ).

IV.

Bestattungswesen und Kirche.

Aus dem Judentum geboren, richtete sich das jungeChristentum wie in anderen Dingen, so namentlich im Be-stattungswesen nach der jüdischen Überlieferung. Zwar ließsich das berühmte Wort Jahves im biblischen Berichte überden Sündenfallmythos:Im Schweiße deines Angesichtessollst du dein Brot essen, bis du zur Erde zurückkehrst, vonwelcher du genommen bist, denn Staub bist du und zuStaub sollst du wieder werden" 1 ), ebenso gut von der Ein-äscherung, wie vom Begräbnisse verstehen, so daß also vondieser Seite her eine biblische Bindung nicht bestand. Jeden-falls lehnten jedoch die Juden im Zeitalter Christi wie schonlängst zuvor die Feuerbestattung grundsätzlich entschiedenab und kannten nur das Begräbnis; Jesus selbst wurde ineiner von Joseph von Arimathea zu seinem eigenen Ge-brauche angelegten, in den Felsen gehauenen Grabeshöhlebestattet 2 ). Aber selbst "wenn sich die Christen in ältesterZeit nicht schon durch die Rücksicht auf das jüdische Her-kommen und auf das Vorbild Christi zum Festhalten amBegräbnisse hätten bestimmen lassen, so mußte doch schonder Umstand für sie den Ausschlag geben, daß sie zum weit-aus größten Teile den armen und niederen Schichten derBevölkerung angehörten, für welche nur das Begräbnis inFrage kam. Bekanntlich galten die christlichen Gemeindenin ältester Zeit staatlich als Begräbnisvereine, als collegiafuneraticia oder tenuiorum, eben weil sie sich aus ärmerenLeuten, tenuiores, zusammensetzten. Dank seiner demo-kratischen Einstellung konnte das Urchristentum nun abereine zweifache Bestattungsart, die Beerdigung für das ge-wöhnliche Volk und die Einäscherung für die Reichen undVornehmen, nicht zulassen, sondern was für die Masse galt,das mußte für alle gelten. So wurde das Begräbnis christ-licher Brauch und die christliche Bestattungsart schlechthin,während der Leichenbrand, von Juden und Christengleicherweise gemieden, in den Augen der Gläubigen mehrund mehr als ein heidnischer, verabscheuungswürdiger

5i ) Helm, Altgerm. R el. - Gesch. 266, 267 A. 1; D e r s. b.Nollau 309.

!) Gen. 5, 19.

2 ) Marc. 15, 46.

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