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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
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Zürcher Arzt Wegmann-Ercolani 52 ) als Wegbereiter ge-wirkt, der durch die Kolumbarien zu Pompeji auf die Ideegekommen war, wie vorteilhaft und schön es doch wäre,wenn die Welt zum Leichenbrande zurückkehrte. Am6. März 1874 hielt er in Zürich die Versammlung ab, die fürdie Bewegung zugunsten der Feuerbestattung in derSchweiz von durchschlagender Bedeutung war 53 ). ÄhnlicheVersammlungen fanden in Genf, Bern, St. Gallen und Baselstatt; hier sprachen sich sogar rechtgläubige Geistliche mitRücksicht auf die herrschende Bodennot für die Einäsche-rung aus 54 ). Wie auf dem Festlande, so loste die Ein-äscherungsbewegung in England lebhafte Zustimmung aus.Da in London die neben den Kirchen gelegenen Friedhöfemit Leichen geradezu überfüllt waren, so legte man Gottes-äcker außerhalb der Stadt an, trat aber auch dem Leichen-brande nähre, für welchen sich nicht nur der berühmte ArztSir Heinrich Thompson sowie sein Kollege W. Eassie, son-dern auch Bischof Fräser von Manchester sowie der gefeierteamerikanische Prediger Heinrich Ward Beecher, aus-sprachen 55 ); andere anglikanische Geistliche beobachtetenwohlwollende Neutralität. Dagegen legte Kardinal Guibertvon Paris gegen die Verlegung des Friedhofs scharfe Ver-wahrung ein. Er sah darin eine Verletzung der Hingebungder Pariser an ihre Toten und wollte die Begräbnisstätte inder Nähe der Stadt untergebracht wissen, da sonst diePariser, dem Anblicke der Gräber entwöhnt, dem Mate-rialismus anheimfallen würden 56 ). Hygienischen Rücksichtenschenkte er kein Gehör, so nachdrücklich sie auch in Frank-reich geltend gemacht wurden. Es währte nicht lange, so-griff die Bestattungsbewegung nach Spanien und Portugal,nach Nord- und Südamerika und nach Australien über 57 ),man durfte sie nachgerade als gemeinsame Angelegenheitder ganzen Kulturwelt betrachten.

Nirgends entfachte jedoch die Feuerbestattungsfrage soheiße Kämpfe wie in Ralien. Es war hier noch nichtganz vergessen, daß der berühmte englische Dichter LordByron im Sommer 1822 seinen während eines Gewitter-sturmes im Meere bei Viareggio ertrunkenen, in der Nähevon Livorno angeschwemmten Freund J. P. Shelley am

52 ) Wegmann-Ercolani, Über Leichenverbrennung alsrationellste Bestattungsart. Zürich 1874.

63 ) Augsb. Allg. Ztg. 1874, Nr. 69, S. 1028.M ) Ebd. Nr. 73, S. 1101.

55 ) H. Brunnhof er, Globus, 1874, S. 361 f.; vgl. die Lite-ratur im V. Jahrbuche des Verbandes d. Feuerbest.-Vereine 1930,.S. 28 f.; 104 f.

56 ) U 11 e r s p e r g e r 97.

B7 ) Vgl. die Literatur im V. Jahrbuche.

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