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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
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ständige sein und dürfe keine halb verkohlten Reste zurück-lassen; 2. nur in eigens dazu erbauten Apparaten erfolgen;

3. geruchlos sein und keine übel riechenden Gase erzeugen;

4. die Asche soll weiß, rein und leicht zu sammeln; 5. dieKosten möglichst niedrig gehalten sein, endlich 6. soll derApparat mehrere Verbrennungen rasch hintereinander vor-nehmen können. Diesen Forderungen entsprach FriedrichSiemens in Dresden mit seinem Gasfeuerungssystem in vor-bildlicher Weise. Die Versuche, die am 9. Oktober und6. November 1874 in Dresden veranstaltet wurden, verliefenzu vollster Zufriedenheit; es waren die ersten Einäsche-rungen überhaupt, die nach dem neuzeitlichen Verfahrenohne offene Flamme stattfanden. In diesem Probierofenwurde am 9. Oktober 1874 die Leiche der Engländerin Dilke,der Gattin des Staatssekretärs Dilke, eingeäschert, dieerste moderne Feuerbestattung. Ihr folgte am 6. Novemberdie der Frau Sanitätsrat D. Thilenius aus Wiesbaden. Damitbatte Deutschland die technische Seite der Feuerbestattungs-frage gelöst; doch standen der praktischen Verwirklichungnoch Schwierigkeiten von Seiten der Behörden bzw. derGesetzgebung im Wege. Das erste Krematorium, das sichin Deutschland erhob, wurde von Siemens in Gotha erbautund am 10. Dezember 1878 mit der ersten Einäscherung er-öffnet. Es war bis zum Jahre 1891 das einzige in deutschenLanden, erst von da an wurden nach und auch in anderendeutschen Städten Leichenöfen errichtet. Während derletzten Jahrzehnte machte die Feuerbestattung in Deutsch-land trotz heftigster Bekämpfung durch den katholischenKlerus, trotz drückendster Wirtschaftslage und trotz immernoch mangelnder Reichsfeuerbestattungsgesetzgebung über-raschende Fortschritte. Waren bei Ausbruch des Welt-krieges 41 Krematorien in Deutschland vorhanden, so hatsich ihre Zahl bis Ende 1932 auf 109 erhöht!

Die epochemachenden Forschungen des HygienikersM. Pettenkofer sowie des Bakteriologen Robert Koch, derin den Kommabazillen die eigentlichen Träger des Cholera-giftes entdeckte, erwiesen zwar die schweren, an das Be-gräbniswesen geknüpften Befürchtungen als übertrieben, sodaß zu der von Trusen befürworteten Einführung der obli-gatorischen Feuerbestattung kein Grund mehr vorlag 51 ).Allein der Gedanke, das Begräbnis mit seinen für unzähligeGemüter entsetzlichen Verwesungserscheinungen durch dieEinäscherung zu ersetzen, hatte nun einmal gezündet undließ sich nicht mehr auslöschen, schlug vielmehr immer nochweitere Kreise in seinen Bann. Besonders in der Schweizzählte er zahlreiche begeisterte Anhänger. Hier hatte der

61 ) W. P r a u s n i t z, Grundzüge d. Hygiene, 10. Aufl., S. 376.

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