wie er wiederholt erklärte, mit der fakultativen zufrieden.Es lag ihm vollständig ferne, die von ihm befürwortete Be-stattungsform auch anderen aufzudrängen, so wenig er esunterließ, ihnen die Schädlichkeit des Begräbnisses zu Ge-müte zu führen. Diese bestanden nach seiner Ansichtdarin 40 ), daß die Verwesung im Grabe die Bodenluft ver-gifte, das Grundwasser verderbe, einen häufigen Wechselder Belegung erfordere und die Leichenschändung ermög-liche. In Gemeinschaft mit K. Reclam war er darauf be-dacht, ein Brandverfahren zu ermitteln, welches auch denberechtigten ästhetischen Forderungen genüge, daß die Zer-setzung der Leiche schnell, geruchlos und ohne den Zu-schauern Schrecken und Schauder einzuflößen, vor sichgehe 41 ), — Ansprüche, die er in dem von ihm als besteMethode des Leichenbrandes anerkannten SiemensschenRegenerationsofen erfüllt sah. Reclam selbst hatte sichseiner eigenen Angabe zufolge gelegentlich eines Aufent-haltes in Graubünden von den Schrecken des Begräbnissesüberzeugt; zu seinem Entsetzen sah er auf dem Friedhofein Schuls überall menschliche Gebeine herumliegen, Schädelund Knochen mit Kleiderfetzen unlängst Verstorbener 42 ).Wie Trusen und Küchenmeister gab er den FäulniserregernSchuld an vielen Epidemien und Tausenden von Sterbe-fällen; die öffentliche Gesundheitspflege gebiete daher,Wasser und Luft rein zu erhalten, und ein Mittel dazu seieben die Einäscherung. Unter den verschiedenen Brand-verfahren gab er mit Küchenmeister dem von FriedrichSiemens in Dresden entdeckten den Vorzug, da es die Leichemittels erhitzter Luft in kürzester Zeit einer sicheren Auf-lösung oberhalb der Erde übergebe 43 ), statt sie der un-sicheren langsamen Zersetzung unterhalb der Erde aus-zuliefern. Reclam entfaltete eine rege Werbetätigkeit fürdie Feuerbestattung; so hielt er anfangs Mai 1874 einenVortrag zu Augsburg 44 ), welchem zahlreiche Besucherlauschten. Namentlich ließ er es sich angelegen sein, dieEinwände zurückzuschlagen 45 ), "welche von Gegnern, wiedem Theologen Prof. J. P. Lange und dem MedizinalratMohr in Bonn, erhoben wurden. Doch verkannte er nicht,daß der eigentliche Widerstand nicht so sehr von medizini-scher wie vielmehr von theologischer Seite ausgehe, wasganz begreiflich sei: „Wird doch die Taufe durch das Zivil-standesregister zu einer bloßen Form; die Schule, bisher
«) Zeitschr. f. Epidem. I, 29, 51.
") Ebd. 194
42 ) Gartenlaube 1874 Nr. 19, S. 508 ff.
«) Ebd.
**) Augsb. Allg. Ztg. 1874, Nr. 126, S. 1948.
") Daheim 1874 Nr. 59, S. 614 f.; Nr. 44, S. 697 f.
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