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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
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Wenn wir unsere Toten verbrennen könnten, dann würdenwir die Luft bereichern mit Kohlensäure und Ammoniak,und die Asche, welche die Werkzeuge zu neuen Getreide-pflanzen, zu Tieren und Menschen enthält, würde unsereHeiden in fruchtbare Fluren verwandeln." Moleschotts Ge-danken begeisterten den bayerischen Hauptmann M. Thum-ser 30 ) zu einem Schriftchen, dessen Inhalt der Titel in denWorten zusammenfaßt:Der Welt Verderb durch Toten-begrabung, das neue Paradies durch Totenverbrennung"; ineiner späteren kleinen Broschüre 31 ) stellte er an alle Regie-rungen den Antrag, diese weltwichtige Sache bald zu be-raten, die verderbliche Totenbestattung möglichst bald ab-zuschaffen und die von unsern germanischen Vorfahren ge-übte heilvolle Totenverbrermung wieder allgemein einzu-führen. Als der eigentliche Bahnbrecher der großen Be-wegung zugunsten der Neubelebung des Leichenbrandesdarf aber der schlesische Oberstabsarzt J. P. Trusen gelten,der seine eindrucksvolle Schrift 32 )Die Leichenverbrennungals die geeignetste Art der Totenbestattung" mit der be-zeichnenden Losung erscheinen ließ:Das Wohl des Volkesist das höchste Gesetz", salus populi suprema lex. Fußend aufden Werken von Riecke und Küttlinger, aber auch auf einerreichen französischen und englischen Literatur rügte er diemißbräuchlichen Formen der üblichen Totenbestattung, be-sonders die Beisetzung der Leichen in Kirchen, Grüftenund in den Friedhöfen inmitten der Stadt. Bei der stei-genden Bevölkerungszunahme in großen Städten sei dieGefahr der für Leben und Gesundheit der Menschen soschädlichen Verwesungsdünste überall im Wachsen, so daßder Medizinalpolizei die dringende Aufgabe obliege, vonden Einwohnern alle schädlichen Folgen fernzuhalten. Ererinnert daran, daß sich im Krimkriege 1855 durch die Ein-wirkung der Hitze auf die nur oberflächlich verscharrtenLeichen der gefallenen Menschen und Tiere giftige Dünsteentwickelten, welche die Gesundheit der überlebendenKrieger verpesteten; durch Cholera und Seuchen seien denTruppen schwerere Verluste entstanden als durch den Kriegselbst. Wie Jakob Grimm hob er hervor, daß das Grabdurchaus nicht immer eine sichere Ruhestätte sei; imAugust 1854 seien in Schlesien durch ÜberschwemmungenFriedhöfe auf- und fortgerissen, Särge und Leichen von denFluten fortgetragen und in Höfe, Gebüsche und Felder ent-führt worden. Doch ließ es Trusen bei akademischen Erör-terungen nicht bewenden. Ein Mann der Tat, richtete er

30 ) München, im Verlag Cäsar Fritsdi 1868 unter dem Pseu-donymLieball" erschienen.

31 ) Totenverbrennung oder Begrabung. Mündien 1886.

32 ) Breslau 1855.

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