und die langsame Verwesung der beerdigten Leiche, dieAbneigung, die nächsten Verwandten ferne ihrer Wohnungim Boden verfaulen zu lassen, die Furcht, die Gebeine desverstorbenen Vaters von Tieren aus der Erde gewühlt undso entheiligt zu sehen, die Erfahrung, daß gewisse an-steckende Krankheiten auch noch von den Leichen der ansolchen verstorbenen Menschen geerbt worden seien, alldiese Ursachen mögen, meinte Frank, das meiste dazu bei-getragen haben, vom Begräbnisse zum Leichenbrandeüberzugehen. Er für seine Person fand die Absicht, den anden Leichen haftenden Ansteckungsstoff zu vernichten, fürwichtig genug, um die Einäscherung bei gewissen Um-ständen wo nicht seiner, so doch den künftigen Generatio-nen wieder anzuraten 21 ). Der schauerliche Triumphzug,welchen die Cholera im 19. Jahrhundert zu wiederholtenMalen durch alle Länder Europas hielt 22 ), lenkte die Auf-merksamkeit der Hygieniker erst recht wieder auf etwa zutreffende Abwehrmafinahmen, unter welchen Mittel gegendie verderblichen Einwirkungen der Leichenverwesungabermals eine hervorragende Rolle spielten. So fand derStuttgarter Arzt Viktor Adolf Riecke mit seiner Schrift„Über den Einfluß der Verwesungsdünste auf die mensch-liche Gesundheit und über die Begräbnisplätze in medizi-nisch-polizeilicher Beziehung 23 )" in weiten ärztlichen Krei-sen ernste Beachtung. Wie er im Vorworte selbst bemerkte,hatte er der öffentlichen Hygiene seit einer Reihe vonJahren seine Lieblingsstudien gewidmet und dem Ende desJahres 1837 in Stuttgart gegründeten Vereine zur Ver-besserung des mangelhaften Zustandes der Begräbnisplätzeeinen Bericht über die Stuttgarter Friedhöfe erstattet.Überhaupt wurde damals den Friedhöfen nicht nur inDeutschland, sondern auch in Frankreich und Englandseitens der Medizinalbehörden viel größere Beachtung alsje zuvor geschenkt; eben dadurch traten mancherlei Miß-stände an den Tag, auf deren Abstellung nun energisch ge-drungen wurde. So sah sich auch der Erlanger HygienikerAdelbert Küttlinger durch die von vielen Seiten laut ge-wordenen Klagen über den üblen Geruch, welcher sich aufden Friedhöfen Erlangens häufig aus einer dort gebräuch-lichen Art von Grüften verbreitete, zur Veröffentlichungeiner Schrift mit dem Titel veranlaßt: „Ermahnung zur Ab-schaffung der Grüfte auf den Friedhöfen 24 )."
Aus solchen Erfahrungen und Beobachtungen herausempfahl sich der Gedanke von selbst, all den aus der Be-
21 ) Ebd. 365.
22 ) H ä s e r IIP, 793 ff.
23 ) Stuttgart 1840.2 ") Erlangen 1854.
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