und sprach die Vermutung aus 16 ), es seien ihrer vielleichtmehr lebendig begraben worden, als sich selbst umgebrachthaben, und so frage es sich, ob man es darauf ankommenlassen müsse, bis sich eine wirkliche Pest ereigne, ehe manzu dem gemeinnützigen Mittel der Feuerbestattung greife.In dem von Chr. M. Wieland herausgegebenen „NeuenTeutschen Merkur" stellte Böttiger eine Betrachtung über„Die Holzsparkunst der Römer" an 17 ), wobei er den Holz-verbrauch im alten Rom mit Rücksicht auf die damalsübliche Leichenverbrennung berechnete. Seiner Schätzungnach starben bei einer Bevölkerung von wenigstens 1%I Mil-lionen jährlich etwa 40 000 Menschen, wozu, falls wirklichalle verbrannt wurden, 40 000 Holzstöße nötig waren. Wieaus alten Stadtrechnungen ersichtlich ist, brauchte man fürden Scheiterhaufen einer armen Hexe wenigstens 3 KlafterHolz; die Leichenverbrennungen beanspruchten daher inRom Jahr für Jahr 120 000 Klafter Holz, eine so ungeheureMenge, daß sie schon bald zum allerempfindlichsten Holz-mangel hätte führen müssen. Da nun die alten Schrift-steller gleichwohl niemals über einen solchen klagen, sokönnen die Leichen unmöglich alle dem Scheiterhaufen über-geben worden sein, vielmehr kamen auch andere, billigereBrennstoffe zur Verwendung. Irrigerweise nimmt Böttigeran, das Begräbnis sei immer nur ausnahmsweise geschehen,für die Vornehmsten wie für die Geringsten habe es keineandere Bestattung als die Einäscherung gegeben, obschonman im Falle einer Pest der Ansteckung durch Beerdigungder Leichen weit schneller und leichter hätte entgehenkönnen. „So blieb es, bis das Christentum aus seinen Be-gräbnishöhlen und Katakomben heraus auch hierin einneues Ritual einführte und an die Stelle des Genius mitder gestürzten Leichenfackel die entfleischten Gerippe undabgefaulten Totenköpfe seiner geglaubten Märtyrer auf-stellte." In seinem einst berühmten „System einer voll-ständigen medizinischen Polizei" führte Joh. Peter Frank 18 )eine Reihe abschreckender Beispiele für die üblen Folgendes Begräbnisses in den Kirchen an und pries den viel-gelästerten Kaiser Joseph IL, daß er schon im ersten Jahreseiner Regierung (1782) seine Staaten vom frommen Greuelder Begräbnisse in Kirchen und Ortschaften befreit habe.Zwar gab auch Frank „im allgemeinen" der Beerdigungden Vorzug vor der Verbrennung 19 ), aber, sagte er 20 ),unsere deutschen Vorfahren hielten sich an die letztere,
10 ) In seiner Wochenschrift „Der Arzt" I (1769), 455, 550.
") 2. Band (Weimar 1794), 283 f.
18 ) 5. Band, Tübingen 1813, S. 582 ff.. 400.
10 ) Ebd. 371.
2 °) Ebd. 529.
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