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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
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da die Knochen und die Asche, die bei der Verbrennungübrig bleiben, ein würdiges Begräbnis an geweihter Stättefinden können, wo ja schließlich auch sonst nichts alsKnochen und Asche zurückbleibt. Auch ist zwischen Ver-brennen und Begraben kein anderer Unterschied, als daßdas Feuer die Kadaver in derselben Weise mit Sicherheitauflöst, in welcher die Zeit es mit größter Gefahr tut; dereinzige Verlust, der hier in Betracht kommt, ist der ekel-hafte Gestank, der von den in der langen Zeit der Ver-wesung in Asche zerfallenden Leichen ausgeht 11 ).

In der Einäscherung sah somit Naldi die wichtigsteVorbeugungsmaßregel gegen die Ausbreitung der Pest 12 );vor Prozessionen warnte er ausdrücklich, da Volksansamm-lungen die Ansteckungsgefahr nur vergrößern 13 ). Er warjedoch mit seiner Forderung einer obligatorischen Feuer-bestattung seiner Zeit allzuweit vorausgeeilt, als daß erdurchzudringen vermocht hätte. Der Papst ließ sich nichtdarauf ein; obschon man nicht verkannte, daß die Luftdurch die Verwesungsdünste verpestet werde, so begnügteman sich damit, die Toten in tiefen Massengräbern beiS. Paul zu beerdigen und viele Tausende von Messen fürsie lesen zu lassen 14 ). Was für Naldi charakteristisch war,das war sein völliges Absehen von allen religiös-kirchlichenRücksichten. Für ihn waren die Toten keine lebendenLeichname mehr, sondern, wie er sie mit Vorliebe nannte,Kadaver, Sachen, welche dem Wohle der Lebenden zu Liebeunbedenklich dem Feuer überantwortet werden durften.Und wie er, so wiesen seine Kollegen angesichts der im 18.und 19. Jahrhundert immerwiederkehrenden Seuchennachdrücklich auf die ernsten Gefahren hin, welche sichaus des- bedrohlichen Überfüllung der Friedhöfe undKirchengrüfte und den daraus strömenden pestilenzialischenVerwesungsgerüchen für die öffentliche Gesundheit er-gaben. Im Laufe des 18. Jahrhunderts erschien auch inDeutschland eine Schrift und eine gelehrte Abhandlungnach der anderen, um die Schädlichkeit des Begräbnisses inKirchen und Kirchhöfen darzulegen, die Anlegung der Be-gräbnisstätten außerhalb der Ortschaften zu empfehlen undauch schon, obgleich zunächst noch schüchtern, den Vor-zügen der Feuerbestattung das Wort zu reden 15 ). So hobJ. Aug. Unzer die Gefährlichkeit der Leichendünste hervor

«) Ebd. 57 f.

12 ) Quäle stimo primo fondamento per troncare il corsoal male.

13 ) Ebd. S. 46.

14 ) P a 11 a v i c i n o 106.

15 ) Aufgeführt bei J. B. Ullersperger, Urne oder Grab(1874), 108.

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