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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
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brandes lag der mittelalterlichen Kirche so fern wie deralten. Man meint den Octavius des Minucius Felix vor sichzu haben, wenn in einem Trostbriefe Petrarcas 28 a ) an einenFreund zu lesen ist, keineswegs hänge die höchste Seligkeitdavon ab, ob jemanden die Erde bedecke oder das Meerfortspüle oder die Flamme verzehre. Wenn du nur jene fürglücklich hältst, welche sich ungestörter Grabesruhe erfreuen,so ist nichts kindischer als eine solche Meinung, da du denWürmern ihre Beute ja doch nicht zu entreißen vermagst.Wenn man zuweilen darüber streitet, ob die von den Altengeübte Einäscherung oder die von unserer Religion über-nommene Beerdigung den Vorzug verdiene, so kümmereich mich darum nicht. Nur das steht mir fest, daß uns vielesals verwerflich erscheint, weil wir uns von einer ander-weitigen langen Gewohnheit täuschen lassen.

Das Mittelalter konnte sich die Haltung der alten Kirchein Sachen des Bestattungswesens um so leichter aneignen,als die der Erdbestattung zugrunde liegenden primitivenGedanken durch den Eintritt der germanischen Völker indie Kirche neue Nahrung und Kräftigung empfingen. Dasgalt namentlich von der Grund- und Elementaridee desprimitiven Totendienstes, vom Glauben an den lebendenLeichnam, wie er sich besonders in einer das ganze Mittel-alter und noch weit darüber hinaus gepflegten, fast über-schwänglichen Reliquienverehrung aussprach. Nicht als wärediese im Mittelalter erst aufgekommen. Schon das christlicheAltertum hatte ihr in weitestem Umfange gehuldigt, diegefeiertsten Lehrer der Kirche, Männer wie Basilius, Gregorvon Nazianz, Gregor von Nyssa, der hl. Augustin und vieleandere 24 ) hatten den Auftakt dazu gegeben, in ihrer Auf-fassung von der heiligen Schrift selbst bestärkt. Las mandoch hier 25 ), als man einst die Leiche eines Mannes insGrab des Propheten Eliseus geworfen hatte, sei der Totedurch die Berührung mit den Gebeinen des Propheten le-bendig geworden, wozu die Schrift an späterer Stelle be-merkt 26 ), Eliseus sei von seinem Leibe noch im Tode alsProphet erwiesen worden, da er, der schon im Leben Uner-hörtes vollbrachte, nach seinem Verscheiden noch Wunderwirkte. Die Väter sprachen sich über die Reliquien ineiner Weise aus, daß sich schlagendere Zeugnisse ihresGlaubens an das Fortleben des Leichnams nicht erbringenlassen und selbst bei den Primitiven nicht finden. Nach

23a ) Epistolae de rebus familiaribus Lib. II, epist. 2, Edit.J. F r a c a s s e 11 i I, 83.

M ) Vgl. zum Folgenden St. Beissel SJ., Art.Reliquien",Kirch.-Lex. X 2 , 1032 ff.; Deis., Ergänzungshefte zu den Stimmenaus Maria-Laadi 47, 54.

26 ) 4 Kön. 13, 21.

26 ) Jes. Sir. 48, 14 f.

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