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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
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Gegenwart erfüllt, der weiß, wie er seine Geschöpfe er-wecken kann. Die Besorgung des Leichenbegängnisses, dieArt des Begräbnisses, der Prunk der Trauerfeier sind nichtso fast eine Hilfe für die Verstorbenen, wie vielmehr einTrost für die Lebenden 18 )." Die Märtyrer, sagt derhl. Johannes Chrysostomus (f 407), endeten durch das Feueroder durch das Schwert, wurden dem Meere, dem Abgrunde,den Zähnen wilder Tiere überantwortet und trugen dochkeinen Schaden davon . . . Sie hatten nicht die geringsteAngst vor dem Feuer, denn es ist keine Sünde, verbranntzu werden 14 ). Auch der spanische Dichter Aurelius Pru-dentius Clemens (f um 410) will zwar denen das Leben nichtabsprechen, deren Staub der Wind entführt hat, legt aberdas größte Gewicht, auf kirchliche Beisetzung besonders derMärtyrer. Ganz im Sinne der christlichen Volksfrömmigkeitschildert er ausführlich, wie der römische Statthalter denLeichnam des Blutzeugen Vincentius, um seine Bestattungzu vereiteln, erst den wilden Tieren vorwerfen, dann insMeer versenken ließ, wie aber der heilige Leib gleichwohlans Ufer schwamm und solange im Sande geborgen blieb,bis er von den Gläubigen in die Gruft verbracht und fürdas ewige Leben aufbewahrt werden konnte. Prudentiuszweifelt nicht im geringsten daran, daß das Grab einstbeim jüngsten Gerichte den ihm anvertrauten Leib bis aufjeden Zahn und Fingernagel herausgeben werde und be-kennt, die Hoffnung auf die einstige Auferstehung sei derGrund, warum die Christen ihre Verstorbenen so gewissen-haft zur Erde bestatteten 15 ).

Da die Feuerbestattung zur Zeit der Antonine ohnehinauch in heidnischen Kreisen mehr und mehr erlosch, sohatte die Kirche allen Grund, auf dem Begräbnisse nunerst recht zu bestehen. So wenig aber Jesus selbst oderseine Apostel und das Urchristentum jemals ein förmlichesVerbot des Leichenbrandes erlassen hatten, so wenig ver-kündete ein solches sie selbst, obschon ihr nicht unbekanntwar, daß er auch unter Christen gar nicht so selten vorkam.Namentlich konnten sich ihm die Legionäre so wenig ent-ziehen, daß Tertullian seinen Glaubensgenossen eben mitRücksicht hierauf vom Militärdienste überhaupt abriet 16 ).Tatsächlich dienten aber nach wie vor doch auch Christenim römischen Heere, und so war es unvermeidlich, daßchristliche Krieger eingeäschert wurden, ohne daß sich die

") De civitate Dei I, 12.

14 ) Ad popul. Antioch. V, 2, 4.

15 ) Peristephanon V, 380 ff.; Apotheosis 1065 ff.; CathemerinonX, 41 ff.; 141 ff.; Edit. J. Bergman, Corp. Script, eccl. Latin,vol LXf; E. Wasmansdorff, D. religiösen Motive der Toten-bestattung 18 f.

le ) De Corona c. 11.

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