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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
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Greuel erschien. Nicht als ob die alte Kirche die Ein-äscherung jemals grundsätzlich verboten hätte. Blieb ihrdoch der Gedanke einer Auferstehung aus der Asche nichtfremd, wie uns denn das sinnige Bild vom mythischenWundervogel Phönix, der sich aus seiner Asche zu neuemLeben verjüngt, in der altchristlichen Literatur und Kunstwiederholt begegnet 21 ). Und erleuchtete Geister wußten sehrwohl, daß der göttlichen Allmacht, die allein dem Todeseine Beute zu entreißen imstande war, niemand und nichtsSchranken zu setzen vermochte. Die große Menge der Gläu-bigen jedoch fühlte sich aufs schwerste durch die bangeSorge bedrückt, wie sich denn die Seele bei der Auferstehungmit ihrem Leibe wieder 'werde vereinigen können, wenndieser in Staub und Asche verwandelt sei, und war darumängstlich darauf bedacht, die leiblichen Überreste ihrer hin-geschiedenen Brüder und Schwestern, besonders der heiligenMärtyrer, sorgsam zu bestatten, wovon die Katakomben mitberedter Stimme zeugen. Auch der Gedanke an den leben-den Leichnam, der unausrottbare, gemeinmenschliche Glaubean eine gewisse Beseeltheit der Leiche, spielte hier ohneZweifel eine nicht zu unterschätzende Rolle. Gab es doch,wie Tertullian berichtet 3 ), Leute, welche von der Feuer-bestattung nichts wissenwollten, in der Meinung, es bleibedoch auch nach dem Tode noch etwas von der Seele zurück.Dem Christentum blieb ferner auch die volkstümliche Vor-stellung nicht fremd, daß die Erde die Mutter aller Menschen,die Leiche ein Samenkorn und der Tod nur ein Schlaf sei 4 ).Der hl. Chrysostomus spricht wiederholt davon, der Schläferwerde beim Weltgerichte aus seinem Schlummer erwachen,und halt dafür, der Friedhof sei nur ein Schlafsaal 3 ). Ähn-lich spricht sich der hl. Hieronymus aus 8 ). War dem aberalso, wie hätte man die Leiche nicht sorgsamst betreuen undmöglichst sanft zur letzten Buhe betten, wie hätte man siegar dem Feuer überantworten sollen? Die Heiden kanntendiese Sinnesart der Christen sehr wohl und sahen es dahergerne darauf ab, das Bestreben der Gläubigen, die Leich-name der Blutzeugen in Sicherheit zu bringen, auf mancher-lei Weise zu durchkreuzen. So übergaben sie die Leichender 177 in Lyon hingerichteten Christen den Flammen undstreuten die Asche in die Rhone, mit dem höhnischen Rufe:Nun wollen wir sehen, ob sie auferstehen und ob ihnen ihrGott zu helfen und sie aus unseren Händen zu retten ver-

2a ) i. Clem. c. 25; Lactantius, De ave Phoenice;Viktor Schultz e, Real-Encycl. d. prot. Theol. 18, 390.

3 ) De anima c. 51.

4 ) So 1. Clem. ad Cor. 24, 4; Origenes c. C e 1 s. 5, 18;C y r i 11. Hieros, Cat. 18, 6; Prudentius Cathemerinon X, 41 ff.

5 ) De Lazaro V, 1; ad pop. Antioch. V, 3, 4; de coemet. 1.") Epist. 75 (29).

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