ihn nach Odins Willen in die Walhalla 44 ). Die Feuer-bestattung ist daher im Grunde genommen nur eine ver-edelte und geläuterte Form der Erdbestattung, eine Be-gräbnisart, welcher das Grauen der Verwesung erspart ist.Wie bei den Primitiven, so konnten daher diese beidenwichtigsten Bestattungsweisen auch bei den arischen Yölkerneinträchtig nebeneinander her- und ineinander übergehenund sich gegenseitig ablösen. Die Hindu verbrennen dieToten und streuen die Asche in die heiligen Fluten desGanges; in Südindien wird die Leiche verbrannt und dieAsche beigesetzt. Ihre aristokratische Natur brachte es mitsich, daß sich die Einäscherung selbst da, wo sie Aufnahmefand, nie völlig durchzusetzen vermochte, sondern sichmeist auf die Männer beschränkte 45 ). Am wenigsten ver-mochte sie bei den Färsen durchzudringen; diese hielten dasFeuer für viel zu heilig, als daß sie es durch Berührung miteinem so durch und durch unreinen Dinge, wie es in ihrenAugen die Leiche war, zu verunreinigen gewagt hätten,und da sie sich auch vor einer Verunreinigung der Erdedurch sie scheuten, so gaben sie sie auf dem Turme desSchweigens dem Fräße der Raubvögel preis 40 ). Selbst dieVerehrer des Sonnengottes Mithras, die man für die eif-rigsten Feuerbestatter halten möchte, übten wahrscheinlichdie Beerdigung, obschon man noch keinen mithrischen Fried-hof gefunden hat; ihr lebhaftester Wunsch war es, einfrommes Begräbnis zu erhalten, ein „ewiges Haus", umhier in Frieden den Tag der Auferstehung zu erwarten 47 ).In Griechenland blieb das einfache Begräbnis stets dasGewöhnliche und wich der Einäscherung nur in vier Fällen,nämlich 1. bei reichen Leuten, welche einem hervorragendenFamilienmitgliede eine besondere Ehre erweisen wollten,denn der Leichenbrand kam um des mit ihm herkömmlichverbundenen Prunkes willen sehr teuer; 2. bei den imKriege Gefallenen, die auf dem Schlachtfelde verbranntwurden, so daß wenigstens die Asche in die Heimat ver-bracht werden konnte; 3. bei den einer Seuche Erlegenen;und 4. bei den in der Fremde Verstorbenen, deren Ascheebenfalls in die Heimat zurückkehrte 48 ). Wie die Aus-grabungen lehrten, bedienten sich die Etrusker des Begräb-
44 ) Weinhold 477, 480; Seger 335 f.") H. Oldenberg 571.
46 ) E. Lehmann in Bertholet-Lehmann, Lehrb. d.Rel.-Gesch. II, 249.
47 ) F. C u m o n t, D. Mysterien des Mithra. Deutsch vonG. Geh rieh, 3. Aufl., v. K. Latte 160 f.
48 ) los. Z e h e t m a i e r, Leichenverbrennung und Leichen-bestattung i. alten Hellas 181.
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