erhebe 33 ). Auch der bei der Leichenverbrennung reichlichverwendete Weihrauch dient dazu, die Seele in den Himmelemporzusenden 34 ). Dem griechischen Mythos zufolge be-reitet sich Herakles auf dem Berge Oita den Holzstoß, indessen Flammen er zu den Göttern emporsteigt, die ihnmit Hebe vermählen, d. h. mit Unsterblichkeit und ewigerJugend beschenken 35 ). Ebenso erhebt sich der Geist nachrömischem Glauben in der Flamme zum Himmel, welchemer angehört 36 ). Auch nach altgermanischer Anschauungführt der Weg des Verbrannten nach Walhalla, der himm-lischen Götterburg, durch die Luft, den Rauchwolken nach;die Verbrennung bedeutet eine Art Auferstehung, eineWiedergeburt, also viel viel mehr als bloße Zerstörung desLeibes und Befreiung der Seele von ihm 37 ). Wie bei denGriechen Demeter das Begräbnis, Herakles aber die Ein-äscherung, so weiht bei den Germanen Freyr die Erd-, Odinselbst aber die Feuerbestattung, denn von ihm meldet dieYnglingasaga, er habe den Leichenbrand eingeführt undsich ihm auch selbst unterzogen, und ebenso Njörd und dieanderen Fürsten; und je höher beim Brande der Rauchemporsteige, desto angesehener sei der Tote in Walhall 38 ).Im Sinne ihrer edelsten Bekenner ist die Feuerbestattungeine Religion der Erlösung. Sie will die Seele erlösen, —erlösen nicht etwa nur von ihrer Verkettung mit dem ver-wesenden Leibe, sondern auch von all ihrer Verhaftung andie Erde und irdische Unreinheit. In diesem Sinne ist dasBestattungsfeuer ein Fegefeuer, da es die Seele von allemihr anklebenden Schmutze läutert und ihre Schlacken undMakeln hinwegfegt. Weit entfernt, einen religionsfeind-lichen Charakter zu tragen, ist gerade der Leichenbrand ausden tiefsten religiösen Gefühlen erwachsen und steuert dasSeinige zur Entwicklung der Jenseitsvorstellungen bei,sofern er das Gegenstück zu dem durch das Begräbnis an-geregten Unterweltsglauben liefert. Durch die Erdbestat-tung gelangt der Tote in das traurige Reich unter der Erde,wo es ihn friert, so daß man ihn wärmen und ein Feuerüber, wenn nicht sogar in seinem Grabe entzünden muß;wo Nacht und Finsternis und daher Schrecken und Grauenherrscht, so daß er des Lichtes bedarf 39 ); wo es ihn hungertund dürstet, so daß er Speise und Trank begehrt; wo erschwach und ohnmächtig ist, so daß er nach Blut lechzt.
33 ) Zell er, Philosophie der Griechen II, I 4 , 198; Schra-d e r 64.
34 ) v. Ne gelein 80.
35 ) Preller-Robert, Griech. Mythol. II 4 , 597 ff.3(> ) Marquardt-Mommsen VII, I 2 , 374.
37 ) G. N e c k e 1, Walhalla 44 f.
3S ) Weinhold, Altnord. Leben 480.
39 ) S a r t o r i 585.
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