er alt geworden war, immer wieder jung wird". „MeinenNamen, den ersten, o Wesenskenner", so betet der Frommezu Agni, „welchen Vater und Mutter am Anfange gaben,den trage du, damit ich wiederkommen kann." „Wenn einMensch stirbt und man ihn auf den Scheiterhaufen legt,dann wird er aus Agni geboren. Zwar verbrennt der Feuer-gott seinen Leib; dann aber wird dieser so, wie man vomVater oder von der Mutter geboren wird, aus dem Leichen-brande herausgeboren." Der rituell Verbrannte kommt indie Götterwelt; im Rauche des Holzstoßes steigt der neu mitKraft wieder begabte Körper zu den Göttern empor, derRegentropfen aber verschließt die auf die Erde zurück-kehrenden göttlichen Ahnen in sich 25 ). Der Inder der vedi-schen Zeit glaubt an eine persönliche Unsterblichkeit, anein sofortiges Eingehen des Frommen in die himmlischeSeligkeit. Dort, im Reiche Yamas, des ersten Menschen, desStammvaters und Beherrschers „der vom Feuer verzehrtenAhnen", dort, im höchsten Himmel, im unendlichen Lichte,dort, wo der Arier seine eigentliche Heimat und seinen Ur-sprung hat, dort, am Orte seiner inbrünstigen Sehnsucht,dort findet er im Vereine mit den selbigen Geistern seineRuhestätte voller Wonne. So ruft er denn dem Verstorbe-nen bei der Einäscherung nach 26 ):
„So zieh denn hin auf jenen alten Pfaden,Worauf der Vorzeit Väter heimgegangen!Yama und Varuna, den Gott, wirst du schauenIn ihrer Seligkeit, die beiden Fürsten.
Dort finde unsere Väter, dort den Yama,
Und dort der Tugend Lohn im höchsten Himmel!
Zur Heimat kehre, aller Mängel ledig,
Nimm an den Körper, neu in Kraft erblühend!"
So fleht auch Goethes Braut von Korinth zu ihrerMutter:
„Höre, Mutter, meine letzte Bitte:
Einen Scheiterhaufen schichte du.
Öffne meine bange, kleine Hütte,
Bring in Flammen Liebende zur Ruh!
Wenn der Funke sprüht,
Wenn die Asche glüht,
Eilen wir den alten Göttern zu!"
So ist denn nicht zu verkennen, daß es die edelsten undhöchsten Gedanken sind, welche sich für den vedischen Indermit dem Leichenbrande verbinden. Gerade darin liegt ihm
26 ) v. N egelein 139 f., 236, 331.
2Q ) H. Zimmer, Altindisches Leben 409 ff.
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