ganz besonders angesehene Männer verbrannt wurden, wasgemeinen Leuten niemals geschah. Wie an die Erd-, soknüpften sich an die Feuerbestattung mancherlei Vor-stellungen. Man glaubte, die Seele könne erst ins Totenreicheingehen, wenn die Weichteile der Leiche beseitigt seien;dies aber konnte wie durch zeitweilige Beerdigung oderdurch die Arbeit von Fischen und Ameisen 20 ), so auch durchFeuer geschehen. Nicht nur im barbarischen, sondern auchim klassischen Altertume sah man in der Einäscherung dasMittel zur Erneuerung und Verschönerung aller leiblichenund geistigen Eigenschaften. Ging diese Welt schließlich imFeuer zugrunde, um einer neuen, vollendeten Weltschöp-fung zu weichen, so durfte auch der Leib durch Feuer einemneuen, schöneren Dasein entgegengeführt werden 20a ). Über-dies ist der Glaube an die zauberbrechende, dämonen-scheuchende, reinigende Kraft des Feuers unter den Primi-tiven zu sehr verbreitet, als daß er nicht auch im Bereichedes Totendienstes in Betracht käme 21 ). Das Feuer stammtaus dem Himmel, ist göttlich und macht göttlich 22 ). Esbrennt alles Sterbliche weg 23 ), um nur das Unsterblicheübrig zu lassen. In überschwänglichen Ausdrücken preistbesonders der vedische Dichter die heilsame und heiligendeWirksamkeit Agnis, der göttlichen Personifikation desFeuers. Er ist wesensgleich mit der Sonne und vom Himmelzur Erde herabgestiegen, von wo er in den Himmel zurück-kehrt, der priesterliche Mittler zwischen den Göttern undMenschen. Agni ist es, der von aller Schuld reinigt; er istes, der das Opfer von der Erde zum Himmel emporträgt, erist es auch, der den von ihm verbrannten Toten auf nor-malem Wege zu den Göttern geleitet. Das, was Agni ver-brennt oder vielmehr garkocht, ist der ganze Mensch mitLeib und Seele. „Verbrenne ihn nicht", fleht der vedischeSänger zu Agni. „Tue ihm nicht weh mit deiner Glut, triffnicht seine Haut und sein Gebein! Wenn du ihn gargekochthast, so sende ihn zu den Vätern!" So eignet der Feuer-bestattung unverkennbar eine gewisse Ähnlichkeit mit demOpferritus 24 ); der vedische Dichter konnte davon sprechen,daß der Tote dem Agni als Opfer übergeben werde. DasFeuer dient dem Verstorbenen ebenso wie die Mutter Erdezur körperlichen Wiedergeburt, Agni ist es, der, „nachdem
2 °) Waitz III, 387; Busch an I, 272; II, I, 923 ff.
20a ) E. L. R o c h h o 1 z, Deutscher Glaube und Brauch I, 271.
21 ) P. S a r t o r i, Feuer und Licht im Totengebrauche. Zeit-schrift d. Vereins f. Altertumskunde, 1907, 371.
22 ) D. G. Brinton, Religions of primitive peoples 141 f.;v. N e g e 1 e i n 77, 254.
23 ) H a s t i n g s, Encycl. of Relig and Ethics VI, 26 f., 28.
24 ) H. O 1 d e n b e r g, Religion des Veda 42 ff., 103 ff., 120 ff.,327, 585 A. 2.
22