Druckschrift 
Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

dem Grabe übergeben wurde, so geschah es mit demfrommen Wunsche 47 ):

So gehe ein zur mütterlichen Erde,Sie öffnet sich zum gütigen Empfange,Dem Frommen zart und linde wie ein Mädchen,Sie schütze fortan dich vor dem Verderben.Du, Erde, tu dich auf für ihn und sei nicht enge,Den Eintritt mach ihm leicht, er schmieg sich an dich an!Bedeck ihn, wie die Mutter, dieDas Kind in ihr Gewand verhüllt."Sinnig bezeichnet der Grieche den Toten als einen Deme-trios, als einen der Demeter, der Mutter Erde angehörigen,der in das Element, welches ihn erzeugt hat, aufgelöst undeinem Fruchtkorne gleich eingesenkt wird 48 ). Im selbenSinne bettet man den Verstorbenen in Rom zur sanftenRuhe und senkt ihn in den Schoß der Erde, deren Kind erist, mit dem Wunsche:Die Erde sei Dir leicht!"Weichmögen Deine Gebeine liegen 49 )!"Heil sei Dir, Erde, derMenschen Mutter", lautet ein alter angelsächsischer Zauber-spruch 50 ). Bei den Bakango-Pygmäen bereitet die Heb-amme, die das Neugeborene aus dem Mutterschofie nimmt,dem Toten das Lager in der Erde, in welche er so gelegtwird, daß er nach der Richtung schaut, wo seineWiege"stand 50a ). Die bedeutsamste Rolle spielt die Mutter Erdeim alten Peru und bei den nordamerikanischen Indianern.Nach altmexikanischer Anschauung ist es das Totenreich,wo die Kinder gezeugt werden, der Aufenthaltsort derAhnen, die Urheimat aller Sterblichen 51 ). In derselben Vor-stellung wurzelt die weit verbreitete Meinung, daß dieKinder aus der Erdtiefe, aus einem Brunnen kommen undvon einem Storche von da gebracht werden 52 ). Demeter, dieHerrin der Unterwelt, ist nun aber eine Vegetationsgottheit,die Urheberin und Spenderin aller pflanzlichen Fruchtbar-keit. Eine Vegetationsgottheit ist aber auch der nordischeFreyr, der Gebieter über die abgeschiedenen Seelen, derUrheber der Erdbestattung, in seiner Eigenschaft alsFruchtbarkeitsgott Nachfolger der Erdgöttin Nerthus, dergermanischen Demeter 53 ). Es liegt auf der Hand, daß An-

* 7 ) H. Zimmer, Altindisches Leben, 406.

48 ) J. Grimm, Kleinere Schriften II, 214

49 ) Marquardt-Mommsen, Handbudi der röm. Alter-tümer, VII, P, 342.

B0 ) Di et er ich 16.

5 °a) P. Wilh. Schmidt a. a. O. 255, 509.

") Di et er ich 12 ff.

B2 ) Ebd. 18 f.

B3 ) R. Much, Anzeiger f. Deutsches Altertum und DeutscheLiteratur 28 (1902), 319 f.; Ders., D. germanische Himmelsgott.Festgabe f. R. Heinzel (1898), 270; K. Helm, D. germanischeVorzeit, in H. N o 11 a u, Germanische Wiedererstehung, 368 f.

17