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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
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und zeigt sich den Jüngern, die darob erschrecken und einGespenst zu sehen glauben 39 )?

Im Grabe ruht der Tote wie der Schläfer auf seinemLager. Wenn aber der Tote nur schläft, so kann er jederzeiterwachen und sein Lager verlassen. Aus der Vorstellungdes Todes als eines Schlafes heraus ist der Glauben an denlebenden Leichnam erst recht leicht zu verstehen. Der Pri-mitive bezeichnet vielfach schon die schwere Krankheitoder die Ohnmacht als Tod. So legen die afrikanischenBergdama einem von schwerer Krankheit wider ErwartenGenesenen einen anderen Namen bei, weil sie ihn für einenanderen Menschen, für einenRevenant" halten. Den Sa-mojeden gilt jede Ohnmacht als zeitweiliger Tod. In Ost-preußen erzählt man sich eine Menge von Schauer-geschichten, worin es sich immer um Leute handelt, die totwaren, im Sarge lagen und wieder erwachten 40 ). In Schlesiengibt man dem Verstorbenen, ehe der Sarg geschlossen wird,zum Abschiede die Hand mit den Worten:Auf Wieder-sehen! Schlafe wohl 41 )!" Bekanntlich spricht auch die Bibelan zahlreichen Stellen von den Toten als von Entschlafe-nen 42 ). Schon in der Steinzeit gab man dem Toten Schlaf-stellung und setzte ihn als Rechts- oder Linksschläfer bei,die Füße leicht aufgezogen, einen Unterarm oder eine Handunter den Kopf gelegt 43 ). In Ägypten wurden die Leichenin vorgeschichtlicher Zeit auf Betten gelagert, ebenso ruhtendie Toten bei den Etruskern der Eisenperiode auf Bettenoder Bänken in Kammergrüften 44 ).

Mit dem Gedanken, daß der Tote als lebender Leich-nam im Grabe nur schlummere und aus seinem Schlafefrüher oder später wieder erwachen könne, verbindet sichnun aber ohne weiteres der Glaube an die Mutter Erde, diegöttliche Gemahlin des väterlichen, alles erzeugendenHimmelsgottes. Dieser Glaube ist wie der an den lebendenLeichnam einer der Urgedanken der Menschheit, die ältesteVolksreligion der Welt 45 ). Fast in allen Sprachen wird dieErde weiblich und im Gegensatze zu dem sie umfangendenVater Himmel als die gebärende und fruchtbringende auf-gefaßt 46 ). Wenn im Indien der vedischen Zeit die Leiche

3B ) Luk. 24, 37

40 ) v. Negelein 99 f., E b e r t, Prähist. Zeitschr. 1921/2, 11.

41 ) W. E. Peuckert, Schlesische Volkskunde, 232.

«) So 2. Sam. 7, 12; Dan. 12, 2; Mc. 5, 59; Matth. 9, 24; 27;53; Luk. 8, 32; Joh. 11, 11; 1. Kor. 15, 20; 1. Thess. 4, 13. Vgl.A. F r e y b e, Erdbestattung und Leichenverbrennung, 13.

«) Obermaier b. Ebert, Real-Lex. IV, II, 449f., 453 f.

44 ) A. Scharff b. Ebert ebd. 462; Obermaier, Ur-geschichte 330.

45 ) A. D i e t e r i c h, Mutter Erde, 3. Auflage 1925, vonE. Fehrle, 91.

40 ) J. Grimm, Deutsche Mythologie I 4 , 207.

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