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Die religions-psychologische Grundlage der Feuerbestattung
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den Irokesen werden die Verstorbenen durchaus alslebend gedacht, ebenso gelten sie im alten Peru noch alslebendig 31 ). Von den südamerikanischen Indianern werdensie ganz als Lebende behandelt; sie liegen in ihrer Hänge-matte freischwebend im Grabe, um nicht mit der Erde inBerührung zu geraten 32 ). Die Mendineger in Sierra Leonepflegen an den Gräbern, den Stätten des Gebetes, Zwie-sprache mit den Toten, und zwar nicht etwa nur mit jüngstVerschiedenen, sondern auch mit früher Bestatteten 33 ). AufTahiti werden vornehmen Leichen mehrmals des TagesSpeisen an den Mund gehalten, an deren Duft sich dieGeister erquicken 34 ). Bei den nordamerikanischen Indianernkam es in alter Zeit vor, daß der Tote im Grabe die auf-rechte Stellung erhielt, auf daß er eine Kohlengrube be-wache 35 ). Auch sonst wird die Grabstätte gerne so angelegt,daß der Verstorbene sein Hauswesen übersehen und imFrühjahre die Nachtigallen hören kann 36 ). Für das naiveVolksbewußtsein ist das die Lebenden schreckende Gespenstdie Leiche selbst, die ihr Grab verläßt und sich in vollerKörperlichkeit zeigt. Bei den afrikanischen Bakango-Pygmäen steht der Tote, der in die Grube gelegt wordenist, wieder auf und kehrt zu den Seinigen zurück. Die Leutesehen ihn und fragen sich: Wer ist dies? Die Erscheinungschwindet jedoch, ohne ein Wort zu sagen 36a ). Dem Ova-herero-Neger steht es sogar fest, daß ein solcher Auferstan-dener heiraten und längere Zeit mit seiner Frau zusammenleben könne, ohne daß diese merkt, mit welchem Wesen siees zu tun habe 87 ). Und tun sich nicht auch beim Tode Jesuder Schrift gemäß die Gräber auf? Lesen wir nicht, daß sichviele Leiber der entschlafenen Heiligen erhoben haben undin die heilige Stadt gekommen und vielen erschienensind 38 )? Steht nicht auch Christus selbst von den Toten auf

Walhalla 44 f.; Sehr ad er a. a. O. 48 f.; M. Ebert, D. Anfängedes europäischen Totenkultus. Prähist. Zeitsdlr. 1921/2, S. 1 ff;C. C lernen, D. Leben nach dem Tode, 9; Hans Naumann,Deutsche Volkskunde 74 f., 68 f.

31 ) Waitz III, 195; IV, 466.

32 ) Buschan, Völkerkunde I, 272.

33 ) B u s c h a n, Sitten III, 52 f.ai ) Waitz VI, 409 f.

3B ) Waitz III, 201.

36 ) K. Weinhold, Altnordisches Leben, 498; Jak. Grimm,Kleinere Schriften II, 214.

3oa) p. W i 1 h. S c h m i d t, Ursprung d. Gottesidee, IV, II, 250.

37 ) Walter Otto, Die Manen oder von den Urformen desTotenglaubens, 57. So schleicht ja auch die Braut von Korinthbei Goethe aus ihrer Grabkammer in das Schlafgemach desfremden Jünglings im Elternhause, um ihm ihre Liebe zu schen-ken; auch sonst wird von ehelichem Verkehr des lebenden Leich-nams mit seiner Witwe berichtet, vgl. S c h r e u e r B. 54, 50, 127.

38 ) Matth. 25, 55.

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